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Regierungen der in Frage stehenden Länder sind für ihre Eisenbahn-bauten :c, — ebenso wie Privatgesellschaften, welche sich zn solchenZwecken bilden — auf das europaische Kapital angewiesen; siemüssen ihre Anleihen in Gold aufnehmen und verzinsen, während ihreEinnahmen nach wie vor in dem entwertenden Silber oder Papier ein-gehen. Die Regierungen sind also in ähnlicher Lage, wie der euro-päische Unternehmer, welcher sein Kapital in diesen Ländern anlegenwill. Auch hier übt die Wührungsvcrschiedcnhcit eine Wirkung aus,welche dahin geht, das europäische Kapital von den Ländern mit unter-wertiger Valuta abzuhalten. Mit demselben Recht, mit welchem manvon einer „Exportprämie" der Länder mit untcrwcrtiger Valutaspricht, kann man sagen, daß ihnen aus ihrer unterwertigen Valutaein Prohibitivzoll gegen das Kapital der Goldwührun Is-länder erwächst. Von welch bedeutender Tragweite diese Wirkungder Valutadifferenzen für den europäischen Ackerbau ist, liegt ausder Hand. Gebt Indien einen festen Rupienkurs, und der Ausbau seinesEisenbahnnetzes wird sich mit ungeahnter Schnelligkeit vollziehen, dieAnbauflächen werden in demselben Maße wachsen, die indische Getreide-Produktion und Getreideausfuhr wird eiue riesige Steigerung erfahren!Bisher ist die Entwickelun g des indischen Ackerbaus ge-rade durch die Valutadifferenzen st a r t hintan gehaltenworden, das geben Bimetallisten, wie Herr Taylor, selbst zu. Dieeuropäische Landwirtschaft kann sich gerade gegen dieindische Konkurrenz keinen besseren Verbündeten wün-schen, als die Valntadifferenzen, welche die Konkurrenzfähigkeitdieses Riesenlandes nur verhältnismäßig langsam anwachsen ließen. EineJahrzehnte lange Irreleitung und Fanatisierung gehört dazu, stets nurdie eine Wirkung, die „Exportprämie", zn sehen, und nicht auchjene zweite, den „Prohibitivzoll für Kapital", welche die Aus-schließung der neuen Länder für den Getreidebau und mithin ihre Fähig-keit, den Weltmarkt mit Getreide zu versorgen, stark hintanhält.
Wir kommen zu dem Schluß: die Valutaschwaukungen sind von eini-gen Unbequemlichkeiten und Unzuträglichkeiten für den Handel zwischen ver-schiedenen Währungsgebieten begleitet Sie scheinen die Länder mit sinkenderValuta durch eine Art Exportprämie zu begünstigen und eben dadurch dieLänder mit Goldwährung zn benachteiligen. Diese Wirkung wird aber da-durch mehr als aufgehoben, daß durch die Valutadifferenzen den Ländern mitsinkender Valuta das europäische Kapital, auf das sie für ihre wirtschaftlicheCntwickelung durchaus angewiesen sind, in erheblichem Umfang unzugänglichgemacht wird. Die Valutaschwankungen hemmen und verlangsamen alsoin ihrer Gesamtwirkung einerseits das Wachstum und die Konkurrenz-fähigkeit Indiens, Argentiniens :c. auf dem Getreidemarkt, ein Wachs-tum, welches nicht auf Währungsverhältnissen, sondern auf der natürlichenBeschaffenheit dieser Länder beruht; andrerseits verzögern sie die mit Not-wendigkeit eintretende industrielle Emanzipation jener Staaten und er-leichtern auf diese Weise der alten Kulturwelt den Übergang. Von unserm