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Die Währungsfrage : gemeinfaßlich dargestellt / von Karl Helfferich
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eigenen Theorie den Kopf abschlug am 19. Februar l. I. in derVereinigung der Steuer- und Wirtschaftsreformer mitgeteilt, daß von62 Spinnerei- und Weberei-Aktiengesellschaften in Bombay im Jahr1894 25 gar keine Dividende gezahlt haben und von 36 die Aktienteilweise weit nnter Pari standen. Das sieht doch wahrhaft nicht nacheiner exorbitanten Begünstigung der indischen Baumwollindustrie aus,wie sie die Bimetallisten aus der Silberentwertung herleiten!

Unsere Auffassung wird ferner bestätigt durch die Zahlen derHandelsstatistik. Die Ausfuhr Deutschlands nach den Silberländernnämlich ist, trotzdem ihr die Bimetallisten seit anderthalb Jahrzehntenden sicheren Ruin prophezeien, nicht nur nicht zurückgegangen,sondern von 90123000 Mk. im Jahre 1889 auf 116515 000 M.im Jahre 1893 gestiegen, also in vier Jahren um 30 Prozent, währendsich gleichzeitig die Gesamtausfuhr Deutschlands etwas verminderte.Zu demselben Ergebnis führt auch die englische und französische Han-delsstatistik.

Ähnlich liegen die Dinge auf agrarischem Gebiet. Was be-deutet die Exportprämie der Länder mit unterwertiger Valuta für diePreisbildung des Getreides gegenüber der Ausschließung riesiger Boden-flachen von enormer Fruchtbarkeit, wie sie durch die Eisenbahn- und Kanal-bauten in Rußland, Amerika und Asien in größtem Maßstabe bewerk-stelligt worden ist! Wir haben gesehen, daß der Preisrückgang der Acker-bauprodulte in dieser Aufschließung neuer Länder durch Anlage künst-licher Transportwege seine naturgemäße Erklärung findet; wir habenferner gesehen, daß Indien und Rußland in den letzten drei Jahr-zehnten, Argentinien gar in den letzten 23 Jahren ihre Eisenbahnenauf die 20fache Streckenlänge gebracht haben. Aber diese ungeheureAusdehnung des Eisenbahnnetzes genügt wenigstens was Indienanlangt, noch lange nicht dem für die Entwickelung des LandesWünschenswerten. Gerade in Indien sind durch die Valu tu-sch wanknngen die Bahnbnuten erheblich ins Stocken gekommen.Ein hervorragender englischer Bimetallist, Erzbischof Walsh von Dublin,konstatiert, daß es dnrch die Valutaschwankungen für Indien unmög-lich geworden ist,die Anleihen zu erhalten, welche für die Entwicke-lnng des Landes absolut notwendig sind". Die indische Regierunghabe die Ausdehnung des Eisenbahnnetzesnur in dem geringst denk-baren Umfang beginnen können". Arendt sagte in der Silberkommission:Es würden auch heute Eisenbahnen gebaut werden können, wennsich nnser Kapital nnr in die Silberländer begebenkönnte", und ein weiterer englischer Bimetallist, William Taylor,schrieb es auf der internationalen Bimetallistenkonferenz in London (1894)den Valntaschwanlungcu uud der durch dieselben hervorgerufenen Ver-zögerung des indischen Eisenbahnbaues zu, daß erstdie Hälftedes der Kultivierung fähigen Landes des indischenReiches wirklich kultiviert ist".

Die Erklärung für diesen Zusammenhang ist sehr einfach. Tie