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Die Währungsfrage : gemeinfaßlich dargestellt / von Karl Helfferich
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Anlagen, sondern europäisches Goldgeld. Wenn nun der Wertdes Silbers sinkt und mit ihm der Wert des Geldes der Silber-währung, dann bekommt er für die gleiche Anzahl von Rupien immerweniger Gold. Seine Einnahmen gehen aber nach wie vor in Silberein, und er ist nicht imstande, für seine Waren sofort einen dem ge-sunkenen Silberwert entsprechenden höheren Preis zu erzielen. Der Ertragder Anlagen in Silberwährungslündern von Papierwährungsländerngilt natürlich dasselbe wird dadurch ein äußerst unsicherer und zweifel-hafter. Dadurch wird das europäische Kapital von Unter-nehmungen in diesen Ländern in großem Umfang abge-halten.

Diese zweite Folge der Valntaschwankungen wirkt derExport-prämie" genau entgegen, und es erscheint unverkennbar, daß sie diezeitweise Begünstigung, welche dieExportprämie" der industriellenProduktion der Länder mit nnterwertiger Valuta verschafft, weit über-wiegt. Die industrielle Emanzipation der ostasiatischen nud süd-amerikanischen Staaten ist eine geschichtliche Notwendigkeit, welche sichebenso sicher vollziehen wird, wie sich der europäische Kontinent und Nord-amerika von England emanzipiert haben. Diese Entwickelung mag viel-leicht für das Kulturleben der alten Staaten nicht ohne Krisen vorüber-gehen, aber Europa wird dieses Entwickelungsstndium um so leichterüberstehen, je allmählicher und langsamer sich die unausbleibliche Ver-schiebung vollzieht. Die Va l u ta s ch wa nknng en könnten diese Ent-wickelung durch dieExportprämie" beschleunigen und verschürfen, aberdie Schwierigkeit, europäisches Kapital in den aufstre-benden Ländern zu investieren, muß die Entwickelungin einem weit höheruGrade verlangsamen und mildern.

Diese Auffassung wird bestätigt durch die Prüfung der that-süchlichen Verhältnisse. Von Herrn Wülfing ist die Behauptung auf-gestellt worden, die Jndier könnten uns trotz Frachtkosten und Schutz-zoll auf unserm deutschen Markt in Baumwollgarnen bedeutend unter-bieten, da sie bei dem gegenwärtigen Rupienkurs zu nicht viel mehrals den halben Kosten produzieren könnten, wie wir. Wie sieht esaber thatsächlich damit ans? Am 24, Mai l. I. notierte 20gcrGarn in Bombay 5'/sAnna !4 Anna Vi° Rupie); dasist bei dem gleichzeitigen Rupienpreis von 13Vn ct. 4^85'/8 ct.Am gleichen Tag notierte in Manchester 20gcr Water Leigh, welchesGarn gegenüber der genannten indischen Sorte mindestens ^/^ ct. mehr-wertig ist, 5^/4 ct. Die Preise in Indien und England entsprechensich also genau, und es ist gar keine Rede davon, daß die Jndiermit uns auf dem heimischen Markt konkurrieren können, denn derPreis ihrer Garne verträgt die Frachtkosten nicht. Man müßte nunannehmen, daß die indischen Spinnereien, da sie trotz der angeblichenVerminderung ihrer Produktionskosten um 40°/c> den gleichen Preisin Gold erzielen, wie die englischen, horrend gute Geschäfte machen.Herr Wülfing hat nun aber ohne zu merken, daß er damit seiner