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haupteten Wirkungen zu. Er wird sich um so rascher vollziehen, je engerdie Beziehung zwischen dem gcmzen Volke des Landes mit unterwertigcrValuta zu der nach Gold rechnenden alten Kulturwelt ist, sür die StaatenSüdamerikas z, B, rascher als für Indien. — In diesem beschränktenSinne muß man die erwähnten Schäden anerkennen. Dabei darf jedochnicht vergessen werden, daßdie europäische Volkswirtschaft durch diese Verhält-nisse nur geschädigt wird, soweit sie in denselben Erzengnissen mit den Sil-ber- und Papierwährungslündcrn konkurriert z daß sie dagegen aus derselbeneinen reinen Nutzen zieht hinsichtlich aller Produkte, welche in Europa nichthergestellt werden können, wie Thee, Kaffee, Baumwolle, Jute, Häute:c.
Die Bimetallisten ziehen nun ans diesen Thatsachen die maß-losesten Folgerungen. Sie sprechen von einem „Ruin der deutschenExportindustrie" und drohen mit einer Überflutung des heimischen Marktesmit den Erzeugnissen der „gelben Rasse". Ebenso führen sie die agra-rische Notlage, das Sinken der Getreidepreise :c. auf die Exportprämiezurück, welche der Getreideproduzeut in Silber- nnd Papierwührnngs-landern uns gegenüber genießt. Dabei vernachlässigen sie, im Verfolg ihrerTaktik, alles zu ignorieren, was nicht zu ihrer Agitation paßt, vollstän-dig, auf eine zweite sehr wichtige Wirkung der Valuta-schwankungen aufmerksam zu machen. Diese zweite Wirkung istfolgende:
Die Silber- und der größte Teil der Papienvährungsläuder stehenauf einer verhältnismüßig noch niedrigm Stufe der wirtschaftlichen Ent-wicklung. Sie sind zur Ausschließung ihrer wirtschaftliche» Hilfsquellenin hervorragendem Maße auf das Kapital der alten Kulturländerangewiesen. Sie benötigen dasselbe ebensosehr zum Ba i von Fabriken, wiezum Bau von Hafenanlagen, Eisenbahnen und Kanälen.
Ta stellt sich aber einer Anlage von Goldkapital in Silber-währungsländern gerade die V a l n t a v er s ch i ed enh e it hinderndin den Weg. Es liegen genug Gründe vor, welche den europäischenUnternehmer veranlassen könnten, Fabriken in Indien zu gründen. Esist für ihn vorteilhafter, für den indischen Verbrauch in Indien selbstzu produzieren. Nehmen wir die Textilindustrie! In Indien wächstdie Baumwolle; wozu die Baumwolle nach Europa verfrachten, inEuropa verarbeiten, und sie schließlich in Forin fertiger Mauufaktur-waren nach Indien zurücktransportieren? Die Ersparnis bei einerVerarbeitung der Baumwolle iu Judien selbst springt in die Augen.Unter normalen Verhältnissen müßte also in diesem Falle eine Ver-arbeitung in Indien selbst einen größeren Gewinn abwerfen als eineVerarbeitung in England . Das Kapital hat aber keinen Patriotismus.Wenn der englische Kapitalist sein Geld in Indien anlegen kann under erzielt dabei einen sicheren Gewinn von 20°/n gegen vielleicht 6°/vin England , dann trügt er sein Kapital nach Indien; er fördert da-durch den Aufschwung Indiens und schädigt die englische Industrie. —Da kommt aber die Wührungsverschiedenheit mit ins Spiel. Der euro-päische Unternehmer in Indien will keine Rupien als Ertrag seiner