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Die Währungsfrage : gemeinfaßlich dargestellt / von Karl Helfferich
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länder. Argentinien z. B. hatte zu Beginn der achtziger Jahre ein Gold-agio von mehr als 3000 Proz. Der Wert des argentinischen Peso war alsogegenüber den Goldwährungen auf den 30. Teil seines ursprünglichenWertes gefallen.

Welchen Einfluß haben nun diese Valutnschwankungen auf diewirtschaftlichen Verhältnisse beider Gebiete, des Gebietes der Gold-währung, und des Gebietes mit Silber- oder Papierwährung.

Die Bimetallisten sehen als Folgen der Valutaschwankungen an:

Zunächst eine Störuug des Handels zwischen den beidenWährungsgebieten. Der europäische Kaufmann, welcher Waren nachIndien verkauft, weiß nie, wieviel die Rupien, welche er gegen seineWaren erhält, bei ihrem Empfang in seiner europäischen Goldwährungwert sein werden. Es kommt also in den Handel ein Moment derUnsicherheit und Spekulation.

Ferner behaupten sie, daß durch die Valutaschwankungen die Ländermit sinkender Valuta (mitunterwertiger" Valuta, wie der gewöhnliche Aus-druck lautet) in wirtschaftlicher Beziehung stark begünstigt, die Länder mithochwertiger" Valuta stark benachteiligt werden. Dabei argumentieren siefolgendermaßen:

In dem Lande mit sinkender Valuta verändern sich die Produktions-kosten, insbesondere die Arbeitslöhne nicht, wie es der Entwertung ihresGeldes entspräche.Alle diese Zahlungen in Taöls oder Rubel bleibendieselben, gleichviel wie der Taöllurs iu London oder der Rubelkurs in Berlin sich gestaltet." Da nuu die Produzenten der Länder mitunterwertiger"Valuta für weniger Goldgeld gleichviel Silber- oder Papiergeld erhalten wiefrüher, ihre Produktionskosten aber in ihrem Silber- oder Papiergeld diegleichen geblieben sind, können sie nach Ländern mit Goldwährung billigerverkaufen und die Goldwährungsländer ans dem Weltmarkt unterbieten.Mit andern Worten: durch das Sinken der Valuta werden den Silber-und Papierwähruugsländern gegenüber den Goldwährungsländern gün-stigere Konkurrenzbedingungen gewahrt. Die Entwertung der Valuta wirktdaher auf die Produktion dieser Lander wie eine Exportprämie.

Auf der andern Seite erhalten die Goldwahrungslünder für ihrenach den Ländern mit sinkender Valuta exportierten Erzeugnisse keinenhöhern Preis im Gelde dieser Länder als bisher; aber für den gleichenBetrag dieses Geldes erhalten sie weniger von ihrem inländischen Gold-geld als bisher. Der Absatz nach diesen Landern wird also unrentabel.Die Entwertung der Valuta wirkt auf die Produktion dieser Länderwie ein Schutzzoll gegen die Erzeugnisse der Golowährungslünder.

Nun ist es aber durchaus falsch anzunehmen, daß in Ländern mitsinkender Valuta auf die Dauer alle Produktionskosten dieselben bleibenwie bisher in dem entwerteten Gelde ausgedrückt. Das Sinken desGeldwertes hat ein Steigen der Warenpreise und schließlich auch des Ar-beitslohns zur Folge, so daß über kurz oder laug ein dem gesunkenen Geld-wert entsprechender Ausgleich stattfindet. Nnr solange dieser Ausgleich sichnoch nicht vollzogen hat, treffen theoretisch die von den Bimetallisten be-