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desselben, scheint mir gänzlich unvereinbar mit dem Fundamentalstder Bimetallisten, daß der Wert des Goldes gestiegen sei. Mankönnte vielleicht einwenden, daß andere Ursachen verhindert hätten, daßdie Goldwertsteigeruug auch auf die Arbeitslöhne eingewirkt habe; aberirms könnten das siir andere Ursachen sein als gesteigerte Produktion,verbessertes Verfahren, Erfindungen und Verbilligung des Trausports?And wenn man zugicbt, daß diese Grlmde stark genug sind, um einemSinken der Löhne entgegenzuwirken, das sonst eintreten müßte, sindl'ie dann nicht auch stark genug, durch sich allein dasSinken der Preise zu erklären, ohne daß mandabeiaufdie Theorie vom Goldmangel und der Goldwertsteige-ruug zurückgreifen muß?"
Die Bewegung der Arbeitslöhne läßt also mit Sicherheit daraufschließen, daß eine Gold wert st eigerung seit den siebenzigerJahren nicht stattgefunden hat. und dieses Ergebnis wirdbestärkt durch die Bewegnng des Diskontsatzes.
Als zu Anfang der 8ver Jahre infolge großer Goldentziehungendurch die Bereinigten Staaten und infolge einer großen Goldanleihe,welche Italien aufnahm, die Diskontsätze der Hauptbanken in die Höhegingen, da sprachen das alle Bimetallisten als Beweis für die Goldknapp-hcit an. Das „Zerren an der zu kurzen Decke", der „Diskont-kricg," die „Lähmung von Handel und Wandel durch hoheDiskonte" wurden in blutigen Farbeu ansgeinalt. Aber die hohenDiskontsätze waren lediglich eine vorübergehende Erscheinung. Die Dis-kontraten derdrei größten europäischen Bauten (Bank von England, Bankvon Frankreich und deutsche Rcichsbank) sind vielmehr seit 1860 im Durch-schnitt der Jahrzehnte stetig gesunken. Gegenwärtig herrscht überalldie größte Geldflüssigkcit. Die Goldbestände der großen Banken sind sohoch, die Diskontsätze so niedrig, wie noch nie zuvor. Das genaue Gegen-teil des von den Bimetallisten prophezeiten und bei einerGoldknappheit und Goldwertsteigeruug naturnotwendigenDiskontkrieges!
Also nirgends ein Schatten von Beweis für die behauptete Goldver-teuerung! Im Gegenteil! Arbeitslöhne nnd Diskontsätze weisen deutlich aufeine annähernde Stabilität unseres Geldwertes hin. Unsere Goldwühruuggeuügt damit dem Hauvtcrfordernis, dem Erfordernis der möglichstgeringen Veränderlichkeit des Geldwertes.
Wir kommen nun zu den Valutas chwankungen. As Folgen
Der starke Preisfall des Silbers seit den siebenziger Jahren hat schenk?»",?»zwischenGoldwährnngslündcrn und Silberwähruugsläudern starke Valuta-differcnzeu hervorgerufen. Die indische Silberrupie stnud um 1870 in Lon-don auf etwa 23 cl, etwa 2 und jetzt ist sie ans 13 ä.(— etwa 1.10 ^) herabgesunken, ähnlich der Wert des chinesischen,mexikanischen zc. Silbergeldes. Noch stärker sind die Valutaschwankuugenzwischen Goldwährungsländern und einem Teil der Papierwähruugs-