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Die Währungsfrage : gemeinfaßlich dargestellt / von Karl Helfferich
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von Chicago nach Newyork (auf See und Kanal) von 22, ?s Centsauf 6,04 Cents, und in der gleichen Zeit ging die Fracht für den BushelWeizen von Newyork nach Liverpool von 14,zs auf 5,?4 Cents herab.Dieselben Verhältnisse mußten natürlich außer auf die Brotfrüchte auchauf die Produkte der Viehzucht und besonders auch auf die Wolle,ferner auch auf die Baumwolle ihre Wirkung ausüben. Wir sind alsoim stände, für alle diese Warengattungen Änderungen in den Pro-duktions- und Transportverhällnissen zu konstatieren, welche mit Notwen-digkeit zu einem starken Preisfall dieser Waren führen mußten. Durchden Preis fall dieser wichtigsten Gruppen, welcher meist altein Beweis für die Goldwert steigern ng ins Feld geführtwird, kann also eine Goldverteuerun g nicht bewiesenwerden, denn die Gründe des Preisfalles liegen augenscheinlich aufder Seite der Waren, und nicht auf der Seite des Geldes. DieserAnsicht sind auch hervorragende Bimetallisten, so der frühereIwllündische Finanzminister Pierson, welcher neuerdings in einer sehrbeachtenswerten Abhandlung sagt, daß alle diejenigen, welcheeine Goldverteuerung behaupten, die Beweise dafürschuldig geblieben sind.

Wenden wir uns nun zu dem zweiten Erkenntnismittel für dieGeldwertverändernngen, zu der Bewegung des Arbeitslohns.

Es ist eine allgemein zugegebene Thatsache, daß die Löhne seitden siebenziger Jahren nicht gefallen, sondern gestiegen sind, und zwartrifft das nicht nur für Deutschland zu, sondern für die ganze zivilisierteWelt. Gerade unsere großen Grundbesitzer, welche fast ausschließlichdie bimetallistische Partei bei uns in Deutschland bilden, sind es, welchestets Klagen über die zu teuer gewordene Arbeit führen.

Wir haben bereits auseinandergesetzt, warnm die Arbeitslöhneein besserer Maßstab für die Veränderungen des Geldwertes sind, alsdie Warenpreise. Wir heben ferner hervor, daß Arendt, der geistigeFührer des deutschen Bimetallismus, stets das Sinken des Arbeits-lohns als notwendige Folge einer Geldwertsteigerunghingestellt hat. Da nun nicht ein Sinken, sondern ein Steigendes Arbeitslohns eingetreten ist, müßten die Bimetallisten nach ihrereigenen Logik anerkennen, daß eine Geld Wertsteigerung nichvorhanden sein kann. Aber sie sind weit entfernt, das zu thun.Sie halten sich stets nur an das Sinken der Warenpreise, von derBewegung des Arbeitslohns sprechen sie im Interesse ihrer Sache über-haupt nicht. Dagegen behaupten sie, die Thatsache der Goldverteuerungseiwissenschaftlich feststehend," undin England geben auch die An-hänger der Goldwährung zu, daß Gold verteuert ist." Diesen Be-hauptungen gegenüber sei hier eine Stelle aus einem Vortrage über-setzt, den ein hervorragendes Mitglied des englischen Parlaments, HerrShaw-Lefevrc, Präsident des Board of Trade, im Oktober vergangenenJahres gehalten hat. Diese Stelle lautet:

Die Steigerung des Arbeitslohnes, ja nur ein Gleichbleiben