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sich ein erheblicher Gewinn machen, wenn man Thaler nnd andereSilbermünzen ganz in ihrem echten Feingehalt nachprügt. An demMaterial kann man dann eine Fälschung nicht nachweisen, höchstensam Gepräge. Die Bimetallisten legen sehr großes Gewicht auf dieseGefahr der „echten Nach Prägung". Aber es ist zu erwägen,daß solche Nachprügungen nur mit sehr komplizierten Maschinen undbedeutendem Kapital , und infolge dessen, wenn sie mitbringend seinsollen, nur in großem Umfang ausgeführt werden können, und einesolche Falschmünzerei könnte nicht lauge verborgen bleiben. Tatsäch-lich hat man bis jetzt bei uus in Deutschland nur unvollkommeneVersuche dieser Art entdeckt. Der Reichsschatzsckretür Graf von Posa-dowsky hat in der Silbcrkommission erklärt: „Nach dem amtlichenMaterial, welches mir gerade in der neuesten Zeit vorgelegen hat,muß ich auch annehmen, daß die Gefahr der Fälschung am Papier-geld viel größer ist." Jedenfalls kauu die Gefahr der echten Nach-prägung nicht schwer genug ins Gewicht fallen, um einen Umsturz unserergegenwärtigen Währung zu rechtfertigen.Unsicherheit Das zweite Bedenken, welches die Bimetallisten geltend machen,Aäh"ung"im >st die Behauptung, unsere Goldwährung werde im Kriegsfälle „beimKriegsfälle, x^stxn Kanonenschuß" zusammenbrechen, und zwar weil wir einen Umlaufvon gegen 90«) Millionen Mk. in unterwertigem Silbergeld haben (gegen400 Mill.Mk. in Thalern und etwa 475Mill.Mk, in ReichSsilbermünzcn).Man trägt sich offenbar mit der Vorstellung, daß im Kriegsfall alles Silber-geld dem Staate zur Einlösung in Gold gebracht werden würde, unddaß der Staat diesen Ansprüchen nicht würde genügen können. Dabeivergißt man aber völlig, daß auch in den kritischsten Zeiten der Ver-kehr gerade die Silbermünzen nicht entbehren kann. Es ist einfachnicht denkbar, daß der tägliche Verkehr mit Münzen unter dem Zehn-markstück auskommt. Durch diese Unentbehrlichkcit würde auch imKriegsfall weitaus der größte Teil unserer Silbermünzen im Uinlanfzurückgehalten werden. Der überflüssige Rest, welcher schon heute un-thütig iu den Kasten der Reichsbank liegt, etwa 250 Millionen Mk.,ist allein bedenklich. Aber er würde nicht genügen, die Goldwährungzu erschüttern. Eine übermäßige Inanspruchnahme des Bankkreditsseitens des Reichs müßte hinzu kommen, indem die Regierung derReichsbank entweder einen Teil ihres Barschatzes entziehen und so ihreNotendeckung verringern würde, oder indem er von ihr Bankuoteu ohnegenügende Sicherstellung erhielte und auf diese Weise den ungedecktenNotennmlauf so stark erhöhte, daß die vorhandene Metalldeckung zurEinlösung der Noten nicht mehr genügte. Das Silber würde bei einersolchen Krisis nur eine ganz geringe Rolle spielen. Auch dieses zweiteBedenken könnte daher eine einschneidende Veränderung unserer Wäh-rnngsverhältnisse nicht rechtfertigen, umsoweniger, als die 120 Mill. Mk.in Gold, welche im Juliusturin in Spandau liegen, speziell für den Falleiner Mobilmachnng bestimmt sind, und keine andere Nation gleich unsin dieser Weise Vorsorge getroffen hat.