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Die Währungsfrage : gemeinfaßlich dargestellt / von Karl Helfferich
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Jahre 1861 der Papierwährung verfielen, bevorzugten sie entschieden dasGold vor dem Silber.

Schon bei Abschluß des lateinischen Münzbundes im Jahre 1865waren Belgien und die Schweiz für den Übergang zur gesetzlichen Gold-währung eingetreten. Eine internationale Münzkonferenz, welche imJahre 1867 zu Paris stattfand und den Zweck hatte, einen Weltmünz-bund herbeizuführen, entschied sich nahezu einstimmig für die Gold-währung. Aber innerhalb der französischen Regierung selbst fand dasAufgeben der gesetzlichen Doppelwährung an dem Finanzminister einigenWiderstand, während Herr de Parieu , der Präsident des Staatsrates,mit Eifer für den Übergang zur Goldwährung eintrat.

Auch in Deutschland , wo eine gründliche Reform des Münz-wesens unbedingt notwendig war, neigte die öffentliche Meinung durch-aus zur Goldwährung hin.

Die Dinge waren noch in vollem Fluß, als der deutsch -französischeKrieg ausbrach. Sein glücklicher Ausgang verschaffte uns durch diepolitische Einigung Deutschlands die gesetzliche, durch die französischeKriegslostenentschüdigung die finanzielle Möglichkeit einer Münzreforinmit Übergang zur Goldwährung. Fast ohne Widerspruch zu erfahren,wurde die Goldwährung beschlossen und durchgeführt durch die beidenGesetze vom 4. Dezember 1871 und vom 9. Juli 1873 und in derenFolge dnrch die Einziehung, die Einschmelzung und den Verlans des größtenTeiles der umlaufenden Silbermünzen und deren Ersetzung durch Goldgeld.

Um dieselbe Zeit führten die Vereinigten Staaten vonNordamerika die Goldwährung wenigstens im Prinzip ein. Siehatten damals noch Papierwährung, wollten aber im Jahre 1879 dieBezahlungen aufnehmen und damit zur Goldwährung übergehen.Schon damals (1873) jedoch verschlossen sie dem Silber ihre Münzstätten.

Ebenso gingen die drei skandinavischen Königreiche,dem Beispiel Deutschlands folgend, zur Goldwährung über; auch dieNiederlande stellten die freie Silberprägung ein (1873), gaben jedocherst zwei Jahre später die Goldprägung frei (1875).

Die Staaten des l ateini sch en M ün zb nndes fürchtetendurch das Sinken des Silberwertes gegenüber dem Goldwert, gemäß demWesen der Doppelwährung, ihren Goldumlauf zu verlieren nnd zurtatsächlichen Silberwährung zu kommen. Während sie in den fünfzigerJahren das aus Kalifornien und Australien hereinströmende Gold mitFreuden in ihren Umlanf aufgenommen und gleichgültig der Verdrängungdes Silbers zugesehen hatten nur die für den kleinen Verkehr un-entbehrlichen Stücke von 2 Franken abwärts suchten sie durch unter-wertige Ausprägung im Umlauf zu erhalten entsetzten sie sich jetztvor dem eindringenden Silber nnd fürchteten den Verlust ihres Gold-umlaufs. Um den letzteren zu schützen und um sich das Silber fernzn halten, beschränkten sie die freie Silberprägung (1873 u. 1874)uud hoben dieselbe schließlich völlig auf (1878). Mit dieser Maßregelwar ihr Übergang zur Goldwährung vollbracht.