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Operation nicht auf dem geschilderten direkten Wege, sondern durchdie Vermittelung von Bankgeschäften, welche die Wechsel auf dasAusland ankaufen und verkaufen.
Die Wechsel haben nun einen in gewissen Grenzen schwankendenKurs, welcher sich natürlich nach dem Geldwert der beiderseitigen Va-luten richtet. Bei Ländern der gleichen Währung sind diese Schwan-kungen natürlich nur in sehr geringem Grade möglich. Da 81 Mk.nach ihrem Goldgehalt gleich 100 Franken sind, scheint niemand Ur-sache zu haben, mehr als 81 Mk. für einen Wechsel auf 100 Frankenzu geben, ebenso scheint für niemanden ein Grund vorzuliegen, einenWechsel auf 100 Franken billiger als zu 81 Mk. zu verkaufen.
Aber dennoch finden kleine Schwankungen um diese Parität statt.Solange die Forderungen hüben und drüben sich ausgleichen, liegtallerdings kein Grund zu einer Abweichung vom Parikurs vor. Dasist jedoch ein seltener Fall; gewöhnlich bleibt auf der eiueu oder andernSeite ein Manko, welches durch Barsendungen beglichen werden muß.Nehmen wir z. B. an, Deutschland hat in einem gegebenen Augen-blick mehr Forderungen an Frankreich als umgekehrt. In diesemFalle wird in Deutschland das Angebot von Wechseln größer sein alsdie Nachfrage. Diejenigen nun, welche nicht imstande sind, ihreWechsel auf Frankreich im Jnlande zu verkaufen, sind darauf an-gewiesen, ihre Wechsel nach Frankreich zur Einlösung zu schicken unddas bare Geld von dort nach Deutschland kommen zu lassen. Wennumgekehrt in einem gegebenen Zeitpunkt die französischen Forderungenan Deutschland überwiegen, dann wird in Deutschland die Nachfragenach Wechseln auf Frankreich das Angebot übersteigen. Wer nichtimstande ist, sich zur Begleichung seiner Schuld einen Wechsel ausFrankreich zu verschaffen, sieht sich dadurch zur Sendung von Bargeld nachFrankreich gezwungen. Um die Kosten der Barsendung zu vermeiden,werden sich im ersteren Falle die Verkäufer von Wechseln mit einemniedrigeren Preise als dem Paripreise begnügen, und werden imletzteren Falle die Käufer von Wechseln sich bereit finden, mehr alsden Pariwert zu zahlen. Es können also von der Parität nach anf-und abwärts Schwankungen stattfinden. Aber diese Schwankungenhaben an ihrer Ursache auch ihre Grenze. Man zahlt allenfalls mehrals das Pari und giebt sich eventuell mit weniger zufrieden, um dieKosten der Barsendung zu vermeiden. Sobald der Wechselkurs aufParis nun so hoch gestiegen ist, daß man für dieselben Kosten auchdie Barsendung vornehmen kann, ist ein weiteres Steigen unmöglich,ebenso hat der Wechselkurs an den Kosten der Barscndung nach unteneine feste Grenze. Die beiden Grenzkurse, bei welchen der Barbezugoder die Barsendung anfängt rentabel zu werden, nennt man die„Goldpunkte". Stehen die Wechselkurse niedriger als Pari, neigensie also zu dem Goldpunkt, welcher den Bezug von Bargeld aus demAusland ermöglicht, dann nennt man sie günstig, und diesen Gold-punkt nennt man den „Gotdpunkt für" das betreffende Land; stehen