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Die Währungsfrage : gemeinfaßlich dargestellt / von Karl Helfferich
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treter dieses Handels, die Kaufmannschaft der Hansastädte,treten in richtiger Erkenntnis ihrer Interessen mit größterEntschiedenheit für die strikte Aufrechterhaltnng der Gold-währung ein.

Auch die agrarischen Klagen, nach welchen die Getreidcpreisedurch dieExportprämie" der Länder mit unlerwertiger Valuta so tiefherabgedrückt worden sind, würden durch dcn Bimetallismus nicht gestilltwerden können, sogar wenn sie nicht auf einer totalen Verkeunuug derwahren Sachlage beruhten. Argentinien, das mächtig aufstrebendeGetreideland, dessen kolossal gewachsenem Export der letzte Rückgangder Geireidcpreise zugeschrieben wird, hat Papierwährung; dieValutadifferenzen würden also in Hinsicht auf diesesagrarisch wichtigste Land auch nach der Einführung desBimctallismus weiter bestehen.

Allerdings wenden die Bimetallisten ein: durch dieWiederher-stellung des Silbers als Münzmctall" würde den Papierwährungs-ländern die Rückkehr zur Metallwährung erleichtert. Gegenwärtig wolltensie nicht zn demgeächteten" Silber greifen, und der bestehende Gold-mangel verbiete ihnen die Aufnahme ihrer Zahlungen in Gold.Dem gegenüber ist geltend zu machen: daß ein Goldmangel gegenwär-tig nirgends existiert als iu bimetallistischen Phantasien, daß vielmehrinallen Goldwährungslündcrn die größte Geldflnssigkeit herrscht;daß ferner die Papicrwährungsländcr nicht durch Goldmangcl zur Papier-wirtschaft kamen, sondern durch finanzielle Mißwirtschast; daß es sichferner bei der Rückkehr znr Metallwährung für diese Länder nicht inerster Linie nm die Frage, ob Gold, ob Silber handelt, sondern um dieFrage zwischen Haben und NichtHaben. So wenig wie das Gold wirdihnen das Silber geschenkt. Die Einlösung ihres Papiergeldes in Silberist für sie genan ebenso schwer, wie die Eiulösuug zum gleichen W ertein Gold. Es ist die alte Geschichte, daß ein Pfnnd Federn nicht leichterist als ein Pfnnd Eisen. Der internationale Doppelwährungsvertragkönnte also bezüglich der Papierwähruugsläuder uur dann eine Beseiti-gung der Vnlutadiffercnzen schaffen, wenn er die Teilnehmer verpflichtete,die Schulden der Papierwährnngsländer zn bezahlen und ihr Papiergeldeinzulösen. Aber dazu werden sich die Finanzminister diesseits und jen-seits des Ozeans auch in der bimetallistischen Zuknnftswelt wohl kaumentschließen können.

Wir kommen zum zweiten Hauptpunkt der bimetallistischen Ziele:zur Beseitigung der angeblichen Geld Wertsteigerung.

Was nicht vorhanden ist, kann man nicht beseitigen. Daß eine Ti- Toppei-Goldwertsteigeruug nicht vorhanden ist, ist zur Genüge nachgewiesen. Aber ^mir«"«-^etwas anderes könnte und würde der Bimetallismns erreichen: eine Geld- '»iw-riung.entwertnng, und zwar eine um so größere Geldentwertung, jegünstiger das der Doppelwährung zu Grnnde gelegte Wertverhültnis fürdas Silber ist. Die praktischen Bimetallisten verlangenWiederherstellungdes Silberwertes", dasalte Verhältnis" von i: 15'/-.