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Die Währungsfrage : gemeinfaßlich dargestellt / von Karl Helfferich
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Setzen wir voraus, die Doppelwährung cnif Grund dieses Wert-verhältnisses wäre durchführbar. Was wären ihre Folgen für den Wertdes Geldes? Die Bimetallisten selbst sind die eifrigsten Verfechter desSatzes, daß der Wert der Edelmetalle nud folglich auch des frei auspräg-barm Geldes von Angebot und Nachfrage bestimmt wird. Da wir nnnollen Grund haben, den Wert unsres Geldes als einen seit Jahren so gutwie nuveränderten anzusehen, so müssen wir annehmen, daß starke Ver-schiebungen in Angebot und Nachfrage von Geldstoff diese Beständigkeiterschüttern würden.

Durch die Doppelwährung würde nun das Angebot von Geldstoffenorm vergrößert werden. Die gegenwärtige Silberproduktion betrügt etwa5 Mill. ^A. Das wären bei der Wiederherstellung des alten Wertver-hültnisscs 900 Miü. Mk, Gewiß ist, daß durch die Verleihung des freienPrägerechtes an das Silber der Silberwert gehoben würde, denn dadurchivürde die Nachfrage nach Silber außerordentlich gesteigert. Ebenso gewißist anch, daß durch die Verwendung des Silbers zu Münzzmecken die Nach-frage nach Gold zu denselben Zwecken den jetzigen Verhältnissen gegenüberverringert würde, daß also eine Wcrtverringerung des Goldes ein-Ir.ien müßte. Der Bimctallismus ans Grundlage der Relation von 1:15,5wäre nur dann durchführbar, wenn das Silber so hoch im Werte gehobenund das Gold so tief im Werte gedrückt würde, daß mau für I5'/s PfundSilber ein Pfund Gold erhalten könnte, während man gegenwärtig 31Pfund Silber für ein Pfund Gold geben muß. Erschwerend kommt hin-zu, daß durch eine Hebung des Silberwertes eine riesige Steigerung derSilberproduttion eintreten würde, so daß das Angebot von Geldstoff durchdie Einführung der Doppelwährung noch weit über den Betrag der gegen-wärtigen Silberprodnklion hinaus vermehrt werden würde.

Die Folgen der dadurch herbeigeführten heftigen Geldentwertungenkann man sich kaum vorstellen.Niemals wäre ein tollkühnererSprnng ins Dunkle gewagt worden," sagt Lexis, der reinwissenschaftlich dem Bimetallismus nicht unsympathisch gegenübersteht,als die Einführung des Bimetallismus mit den altenWertverhältnissen sein würde. Niemand kann dieWirren und Kc> tastrophen ahnen, die eine vonSchwin -de! und Krisen abwechselnd begleitete Preisrevolutionerzeugen müßte, wiesiedurch die jährliche Vermehrnngdes Metallgeldes um 1100 bis 1200 Millionen Markunzweifelhaft entstehen würde." Alle die schlimmen Folgen einerGeldentwertnng würden sich in stärkstem Maße zeigen. Die Preise allerWaren würden enorm in die Höhe schnellen, dagegen würden die festenGehälter und die Arbeitslöhne eine Zeitlang auf gleicher Höhe bleiben. DenBeamten wvllen dann die Bimetallisten Aufbesserung gewähren, wie Herrvon Kardorff am 16. Februar l. I, im Reichstag sich beeilt hat zu versichern,aber die Arbeiter? Sie sind auf Selbsthilfe angewiesen. Bis sie durchgewaltsame Mittel, durch Arbeitseinstellung und Strike eine den gestiegenenWarenpreisen entsprechende Lohnerhöhung durchgesetzt hätten, wären die