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bill Gesetz; nach dieser mußte der Staat monatlich 4'/s Millionen Unzen(1 Unze — 31,103 Gramm) Silber ankaufen und dagegen Schatznotenausgeben. Der größte Teil des Silbers sollte nicht ausgeprägt, sondernin Barrenform als Deckung der Schatzuoten aufgespeichert werden.Während der Wirksamkeit der Shermcmbill kauften die VereinigtenStaaten etwa 5'/4 Millionen KZ Silber zum Preise von gegen156 Millionen K (624 Millionen Mk.).
Das Gesetz erreichte ebensowenig eine dauernde Hebung desSilberpreises, als die Blaudbill. Anfangs allerdings vermochte sichdank der Spekulation der Silberpreis von etwa 42 ä. auf 54^/g 6.zu heben, aber diese künstliche Preissteigerung hielt nicht lange vor.Im Jahre 189 l wurde der niedrigste Silberpreis bereits wieder mit43'/- 6. notiert. Im Jahre 1892 war der Durchschnittssilberpreis39'2/,o ct., trotz der Shermanbill niedriger als je zuvor, währenddas Silber mit 37'^/is ^ seinen niedrigsten Preis erreichte.
Dieser rasche und tiefe Preisfall des Silbers gab den Anstoßzu deu letzten großen müuzpolitischen Maßregeln. Im Jahre 1893stellte Indien seine Silberpräguugen ein, um den Wert seines Geldesfernerhin vom Silberwert unabhängig zu machen und, wenn möglich,den Goldkurs der Rupie auf 16 ä. zu befestigen. Das erstere istgelungen. Die Rupie steht gegenwärtig etwa 20"/o über ihrem Silber-wert; die Befestigung des Goldkurses dagegen ist nicht gelungen, dieRupie ist bis auf etwa 13 ä. gefallen.
In demselben Jahre sahen sich auch die Vereinigten Staaten vor die Unmöglichkeit gestellt, ihre Silberankäufe fortzusetzen nnd dabeiihre Goldvaluta aufrecht zu erhalten, zumal nach der Sperrung derindischen Münzstätten ein weiterer erheblicher Preisfall des Silberseingetreten war. Die Shermanbill wurde aufgehoben.
Seither hat sich keine Verschiebung mehr auf währungspolitischemGebiete vollzogen. Der gegenwärtige Znstand ist:Der g^en-^ Das Geldwesen der meisten und bedeutendsten Kultur-'^'der""" Völker hat das Gold zur Währungsgrundlage. Von den größeren°?rh««nisft. Staaten hat nur England (und ein Teil seiner Kolonien, Australien ,Canada zc.) die reine Goldwährung, während Deutschland, Frankreich ,die Vereinigten Staaten, die Niederlande :c. die sogenannte „hinkend e"Goldwährung haben. Alle diese Länder haben nämlich, obwohl derWert ihres Geldes vom Golde abhängig ist, mehr oder weniger Silber-kurantgeld im Umlauf. Dadurch wird an und für sich die Gold-währung nicht beeinträchtigt, besonders wenn der Betrag des Silber-kurantes gegen den Umlauf an Goldgeld verhältnismäßig unbedeutendist, wie bei uns in Deutschland , wo höchstens 400 Mill. Mk. in Silber-thalern mindestens 2 400 Mill. Mk. in Goldgeld gegenüberstehen.Außerdem hat die Reichsbank einen Bestand von über 300 Mill. Mk.an Goldbarren und fremden Goldmünzen, so daß der deutsche Gold-geld-Vorrat etwa 7 mal so groß ist, wie der Betrag der deutschenSilberknrantmünzen. Bedenklich ist der Zustand der Goldwährung