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Die Währungsfrage : gemeinfaßlich dargestellt / von Karl Helfferich
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Silbergehalt der Silbermünzen vom Zwcifrankenstück abwärts um etwa7"/o herab. Man prägte sie von nun ab unterwertig aus, um sieauch gegenüber den absehbaren zukünftigen Schwankungen zu gunstendes Silberwertes im Umlauf erhalten zu können. Die gleichen Gründehaben alle Goldwährungsländer zur unterwertigen Ausprägung vonSilbermllnzen veranlaßt.

Da der Geldwert dieser Münzen höher sein soll als ihr Stoff-wert, darf natürlich ihre Prägung nicht frei sein; ihr Geldwert würdeja dann durch ihren Stoffwert bestimmt werden und sich nicht überdenselben erheben können.

Es ist ferner nötig, daß der Staat sich in der Ausgabe unter-wertiger Münzen Beschränkung auferlegt und nicht mehr von ihnenausprägt, als das Verkehrsbedürfnis erfordert. Jede stärkere Ausgabekönnte teilweise von denselben Folgen begleitet sein, wie die Freigabeder Prägung, der Wert der Silbermünzen würde nicht auf seiner durchdas Gold gezogenen oberen Grenze, nämlich im Gleichwert mit denGoldmünzen, erhalten werden, sondern mehr oder weniger bis zu ihremSilberwert herabsinken. Deshalb bestimmen auch die Münzgesetze derGoldwährungsländcr ein Maximum für die Silberprügung, so z. B. inDeutschland 10 Mk. pro Kopf der Bevölkerung, welcher Betrag nichtüberschritten werden darf. Da es ferner die Bestimmung der Silber-münzen ist, zu kleinen, in Gold nicht zu bewerkstelligenden Zahlungenzu dienen, hat man es nützlich gefunden, ihnen Zahlungskraft nurbis zur Höhe einer bestimmten Summe zu gewähren.

Ähnlich werden Nickel- und Kupfermünzen in das System einerGoldwährung oder einer Silberwährung eingefügt.

Wir haben also in einem normalen Geldsystem folgende Artenvon Münzen:

1. Münzen, welche frei ausprägbar sind, deren Geldwert mitihrem Stoffwert zusammen fällt, die also vollwertig sind, und derenWert durch deu Wert ihres Metallgehaltes bestimmt wird. Sie heißenHauptmünzen oder Währungsgeld.

2. Münzen, welche nicht srei ausprägbar sind, deren Wert nichtvon ihrem Metallgehalt bestimmt wird, sondern sich von dem Werteder Hauptmünzen ableitet, indem sie an Stelle der Hauptmünzen inZahlung genommen werden müssen und eventuell vom Staat auf Ver-langen in Hauptmünzen umgewechselt werden. Man kann sie Neben-geld nennen.

Zu unterscheiden ist ferner zwischen Kurantmünzen undScheidemünzen.

Kurci ntm ünzen heißen diejenigen Münzen, welche bis zu jedemBetrag in Zahlung genommen werden müssen; Scheidemünzen die-jenigen, deren Zahlungskraft auf gewisse Beträge beschränkt ist. Ineinem wohlgeordneten Geldsystem sollte niemand gezwungen sein, unter-wertiges Geld bis zu jedem Betrag in Zahlung zu nehmen; die Begriffe(vollwertige) Hauptmünzen und Kurantgelo einerseits, (unterwertige)