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Nebenmünzen und Scheidemünzen andrerseits würden sich dann decken. Diewenigsten der bestehenden Münzsysteme entsprechen jedoch dieser Forderung.
Bei uns in Deutschland sind nicht nur die frei ausprägbaren unddeshalb vollwertigen Goldmünzen gesetzliches Zahlungsmittel bis zujedem Betrag, sondern auch die Silberthaler, deren Metallwert nur halbso groß ist, wie ihr Geldwert. Eine Goldwährung, welche nur goldeneKurantmünzen kennt (z. B. die englische) nennt man reine Gold-währung, eine Goldwährung, welche wie die deutsche, und ebensodie amerikanische, französische, schweizerische, belgische, holländische, auchsilberne Kurantmünzen im Umlauf hat, nennt man eine „hinkendeGoldwährung."
Im Gegensatz zn den Thalern ist die Zahlungskraft der anderndeutschen Silbermttnzen, der Reichssilbermünzen, auf Beträge bis zu20 Mk. beschränkt. Sie sind also Scheidemünzen, während die ThalerKurantmünzen sind. Ebenso sind die Nickel- und Kupfermünzen Scheide-münzen; ihre Zahlungskraft ist auf Beträge bis 1 Mk. beschränkt.
Obwohl wir in unserm Geldsystem Münzen aus vier verschiedenenMetallen haben, ist doch einzig allein der Wert des Goldes maßgebendfür den Wert des deutschen Geldes. Nur die Goldmünzeu sind freiausprägbar, ihr Wert entspricht deshalb genau dem Wert ihres Gold-gehaltes. Der Wert aller andern Münzen hat mit dem Wert desMetalles, aus welchem sie bestehen, nichts zu thun. Der Wert desSilbers ist für den Thaler, der Wert des Nickels für das Zehnpfennig-stück, der Wert des Kupfers für das Einpfennigstück völlig bedeutungs-los. Alle diese Geldsorten leiten ihren Wert von dem deutschen Gold-gelbe ab, in welchem sie tarifiert sind. Das Gold ist also die einzigemaßgebende Grundlage für das deutsche Geld, und deshalb haben wirGoldwä hrun g.
Der normale Zustand eines Münzsystems ist der, daß der Wert Z^^ndes Geldes durch die freie Ausprägbarkeit von Gold oder von Silber losgelöstenmit einem dieser beiden Metalle verbunden ist. Es giebt aber anch Hungen .Länder, deren Währung unabhängig von diesen beiden Edelmetallenist, z. B. Länder mit Papierwährung. Dort bildet Papiergeld, welchesnicht in vollwertigem Gclde einlösbar ist, nnd welchem gegenüber dasursprüngliche vollwertige Geld einen Überwert (Agio) hat, das Umlaufs- undZahlungsmittel. Seiue Wertschwankuugen werden beeinflußt hauptsächlichdurch die Nachfrage nach dem Geld des betreffenden Landes und durch denStaatskredit, welcher eine Aufnahme der Barzahlungen mehr oder wenigerwahrscheinlich erscheinen läßt. In ähnlicher Lage befindet sich gegen-wärtig Indien, welches zwar einen Silberumlauf besitzt, aber durch dieEinstellung der Silberprägung im Jahre 1893 den Wert seines Geldesvom Werte des Silbers unabhängig gemacht hat. Infolge dessen stehtder Wert des indischen Geldes, der Rupie, gegeuwärtig um über 2V"/ohöher als der Wert ihres Silbergehaltes, ohne daß er sich, ähnlich wiebei uns in Deutschland der Wert des Thalers vom Goldgelde, voneinem andern vollwertigen und frei äusprägbaren Gelde ableitete.