Teil eines Werkes 
1 (1931) Von der ältesten Zeit bis auf Kaiser Konstantin
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Die Regierungstätigkeit der Kaiser

Reichspost jede erwünschte Verbindung vermittelten. Auch ha-ben die Kaiser von der Möglichkeit der Bestellung von Stell-vertretern in Rom sowie von der Delegation spezieller Funktio-nen an den Senat reichlichen Gebrauch gemacht.

Es muß an dieser Stelle nochmals betont werden, daß dietatsächliche Beteiligung des Senates an der Regierung währendder ganzen Zeit bis Diocletian weit erheblicher gewesen ist, alsdas formale Verfassungsrecht dies vorsah. Die Kaiser bedien-ten sich genau des Senates schon darum, um in Rom politischePropaganda für sich selbst zu machen. Die Bedeutung des Se-nates blieb groß genug, um alle Lücken zu decken, welche etwadie Bedeutung Roms als Residenzstadt durch kaiserliche Abwe-senheit hätte erleiden können.

Der Senat hat auch nach Diocletian weiter existiert. AlsKonstantin in Konstantinopel einen zweiten Senat errichtete,wurde der römische Senat ausdrücklich aufrecht erhalten.

Als letzte der hier zu erörternden Regierungsaufgaben desKaisers fassen wir die Verwaltung der Stadt Rom und Italiens ins Auge.

Augustus hatte sich das Ziel gesetzt, die Verwaltung derStadt Rom dem Senat aus den Händen zu nehmen und die städti-sche Selbstverwaltung zu beseitigen. Dieses Ziel völlig zu errei-chen, ist Octavianus persönlich nicht gelungen. Th. Moinmsen(Römisches Staatsrecht Bd. II Abt. 2, S. 1033) nennt diesdeneinzigen Fall, wo der neue princeps im Senat auf konstitutionelleOpposition stieß.

Dem Tiberius war es Vorbehalten, wie in anderen Bezie-hungen so auch hier, die Monarchie zu vollenden.Das kaiser-liche Polizeigericht der Hauptstadt (praefectura urbis) ist imwesentlichen sein Werk, und damit, namentlich mit der der Po-lizei zur Verfügung gestellten Truppenmacht kann die gesamtehauptstädtische Verwaltung angesehen werden als übergegangenauf den Monarchen (Mommsen a. a. O. S. 1034). Wenn manaber die große Linie in der Regierung des Augustus festhält, sowird man nicht verkennen, daß der Erfolg des Tiberius nur die

Neomario, Geschichte der Stadt Rom

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