Achtes Buch.
Baugeschichte der Stadt von 14 n. Chr.bis Diokletian .
i.
ie drei nächsten Nachfolger des Augustus, die ClaudierTiberius 14—37, Caligula 37—41, Claudius 41—54,treten hinsichtlich der baulichen Entwicklung Roms hinter Augustus und dem vierten Claudier, Nero (54—68), weit zurück, haben aber ein jeder doch eine an sichbeträchtliche Bautätigkeit entwickelt.
Tiberius begann auf dem Palatin neben dem AugusteischenPalast die Domus Tiberiana zu bauen, welche nach ihrer Fertig-stellung unter Caligula bis zum Tode des Marc Aurel (180) Kai-serwohnung blieb. Ein abseits des Künstlerischen und auch ab-seits der organischen Bauentwicklung der Stadt liegendes, abergeschichtlich bedeutsames Gebäude war das durch Sejanus, denallgewaltigen Günstling des Tiberius errichtete Praetorianerlager(Castra Praetoria). In der Form des römischen Lagers, 1200und 1500 Fuß im Geviert, mit Mauern und mit Türmen versehen,hatte das Bauwerk den Charakter einer Citadelle. Es war errich-tet auf dem nördlichen Flügel des Servianischen „agger“ zwischenPorta Collina und Porta Viminalis, ein fester Backsteinbau besterKonstruktion, aus regelmäßigen, horizontalen Lagen roter Ziegelbestehend, mit Streifen von gelblichem Stein, mit Zinnen undSchießcharten. Der Bau diente der Vereinigung der zuvor aufverschiedene Quartiere der Stadt verteilten Praetorischen Kohor-ten. Er wurde zur Zwingburg der Praetorianerherrschaft, durchwelche Kaiser eingesetzt und gestürzt wurden. Durch Aurelianusund Honorius wurde das Lager in die Stadtmauer einbezogen.Kaiser Konstantin ließ den Bau zerstören. Als ein in gleicherArt sorgfältig errichteter Ziegelbau (mit Korinthischen Kapitel-