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Aber der Kampf um das Symbol des alten Römergeistes undum das Ideal der alten Götter wurde von den heidnischen Sena-toren mit altrömischer Zähigkeit weiter gekämpft.
Nachdem der Senat in sieben Gesandtschaften vor vier Kai-sern erschienen war, nach der Ermordung Valentinians II. ge-lang es dem Senat durch den Franken Arbogast im Jahre 392,die feierliche Wiederherstellung des Altars der Victoria zu er-reichen. Der Rhetor Eugenius , welchen jener mächtige Ministerund General auf den römischen Thron gesetzt hatte, wußte in denAnhängern des Heidentums sich eine Stütze zu sichern. Er selbstwar Christ; aber das Haupt der Partei, die ihn erhoben hatte, derhochangesehene Senator Nicomachus Flavianus , war eifrigerHeide. Dieser unternahm sofort die Wiederherstellung der altenReligion.
Ihr Kultus wurde freigegeben, die umgestürzten Sta-tuen des Zeus richteten sich wieder auf, und der Altar der Vic-toria wurde von neuem in der Curie aufgestellt. Man sah wiederdie antiken Götterpompe in Rom, denn Flavianus , welcher imJahre 394 Consul wurde, beging öffentlich die Feste der Isis, derMagna Mater, und die Lustration der Stadt, und all dies mußteEugenius geschehen lassen. Zwar wagte er nicht, die von Gratian im Jahre 383 eingezogenen Tempelgüter dem heidnischen Dienstezurückzugeben, doch schenkte er sie dem Flavianus und anderenaltgläubigen Senatoren.
Indessen der Kampf der Eugenianer mit Theodosius warder Todeskampf des Heidentums.
Theodosius , erst Heide, dann Christ, seit dem Jahre 378 Mit-regent des Gratianus im Osten, war jetzt der Mann der Zukunft.Er hatte in dem ermordeten Valentinian seinen eigenen Schwagerzu rächen, und sein Triumph war schnell und vollkommen. DieHeiligen halfen ihm, zugleich die Götter, die Aristokraten und dieUsurpatoren zu überwinden. Nachdem ihm ein ägyptischerEunuch das Orakel des Anachoreten Johannes von Lykopolis überbracht hatte, daß er einen blutigen Sieg gewinnen werde,brach er mit seinem Heere aus dem Orient nach Italien auf. Ver-