Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
Entstehung
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566 Rom im Zeichen der Westgoten. Die Hunnen

Heer in Italien ) die Ausrufung ihres Sohnes zum Imperator desAbendlandes. Bis zu ihrem Tode, 450 beherrschte sie dann tat-sächlich das Reich.

Ataulf hatte im Jahre 415 das von der Garonne bis zumEbro reichende Gotenreich (Gotenland) gegründet, womit dieWanderungen der Goten vollendet waren.

Nachdem die Goten fast ein halbes Jahrhundert hindurchder Schrecken des ost- und weströmischen Reiches gewesen, beidean den Rand des Untergangs gebracht und auf ihren Zügen Grie-chenland, Italien, Gallien und Spanien durchwandert hatten,ruhten sie an den Ufern der Garonne, friedlich lebend mit römi-schen Bürgern, deren Bildung und Künste sie sich fast ebensoschnell aneigneten, als sie die Provinzen durchzogen hatten. Ge-ordnetes Staatsleben, das vor roher Willkür schützt, Ackerbau,der an den heimischen Boden fesselt und vor Hungersnot sichert,Gewerbe und Künste, die das Leben bequem und angenehm ma-chen, lernten sie nun kennen und schätzen, und machten darinsolche Fortschritte, daß sie bald den Römern nicht nur den Vor-zug der Tapferkeit, sondern auch den der Bildung entrissen.

VI.

Im Jahre 451 sehen wir die Westgoten mit den Römern,unter dem großen Feldherrn Aetius vereinigt, die Entscheidungs-schlacht gegen Attilas Horden auf den katalaunischen Feldernsieghaft schlagen (Catalaunum = Chälons-sur Marne).

Eine der größten Völkerschlachten, welche die GeschichteEuropas kennt, war die letzte heroische Tat des römischenReichs. Wie sie seinen Untergang mit Glanz umgibt, so ehrtsie auch das Andenken der Westgoten und reinigt diese von demOdium der Plünderung Roms. (F. Grcgorovius).

Der geschlagene Hunnenkönig raffte den Rest seiner Völkerzusammen, und kehrte nach Pannonien zurück, um die Winter-ruhe zur Ansammlung neuer Streitkräfte zu benutzen, und umdann im Frühjahr 452 über die julischen Alpen nach Italien hin-abzusteigen.