Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
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Ständische Gliederungen 568 bis 1200

Wie in Ravenna schon gegen das Ende des Jahres 572 eineschola Graeca als Korporation und als besonderes griechischesStadtviertel erscheint, so war es auch zu Rom , wo sich vieleGriechen befanden, deren Zahl zur Zeit der Bilderstürmer durchFlüchtlinge vermehrt wurde. Die schola der Griechen betrach-tete sich als die älteste nationale schola. Dieselbe wohnte in derGegend am Fuße des Aventin, am Tiber entlang. Sie trug denNamen ,,ripa Graeca. Das Quartier wurde insula Graecorumoder schola Graeca genannt, ein Name, welcher sich lange in derVia di Scola Graeca erhalten hat.

Bekannt sind auch die Scholen , welche auf dem rechten Ti-berufer, in der Nähe von St. Peter wohnten. Als die Verbin-dungen zwischen dem römischen Stuhl und den germanischenVölkern immer häufiger wurden, als jährlich viele, und darunteroft die Edelsten des Volkes, zu den Schwellen der Apostel wall-fahrteten, bildeten sich dort feste Niederlassungen und Brüder-schaften mit besonderer Beziehung auf die Ankömmlinge und Pil-grime aus der Heimat. Eine Kirche mit einem Spital danebenbildete nach damaliger frommer Sitte den Mittelpunkt. Armewurden umsonst aufgenommen und gepflegt, die Vermögendenließen reiche Spenden zurück."*)

Der Stadtteil Trastevere , welcher noch nach JahrhundertendieSachsenstadt" hieß, hat diesen Namen dadurch erhalten,daß dort gegen das Jahr 725 der britannische König Ina vonWessex die Gründung einer schola Anglorum vornahm.

Ina soll mit Zustimmung des Papstes Gregorius II. eineKirche zu Ehren der Jungfrau gebaut haben, auf daß daselbst denenglischen Pilgern Gottesdienst gehalten werde, und diejenigen,welche in Rom stürben, daselbst begraben würden. Jedes Hausin Wessex sollte jährlich einen Pfennig zu Ehren des heiligenPetrus für die Unterhaltung der in Rom lebenden Angelsachsenzahlen. König Offa von Mercia stattete diese schola noch reicheraus, und gab ihr ebenfalls den Peterspfennig aus einem Teil seinesReiches.

*) Die Darstellung folgt hier und im folgenden derjenigen von Papen-cordt. Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter, 1857, S. 117 ff.