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10 Jahre, und in dieser kurzen Zeit kann sich ein Thaler-stück im gewöhnlichen Umlauf unmöglich um 2 Prozentabnutzen. Die Schädigung Österreichs trat also nicht ein.
Den deutschen Staaten ging höchstens ein ganz kleinerfiskalischer Gewinn aus den Prägegebühren verloren, weilauch Osterreich einen Teil des deutschen Umlaufes versorgte.Daran ist festzuhalten, dass Osterreich nicht ansehnlichmehr Thaler in unsern Umlauf einführen konnte, als dieserauch sonst an sich gezogen hätte. Das Bedürfnis nachZahlungsmitteln, welches sonst durch Neuprägung an deut-schen Münzstätten Befriedigung gesucht hätte, konnte nunteilweise durch die einströmenden österreichischen Thalerbefriedigt werden.
Aber nicht bloss die österreichischen Thal er kamenzu uns herüber, sondern auch die österreichischen Gulden,Doppelgulden und Viertelgulden, obwohl diese gesetzlichbei uns nicht zugelassen waren. Sie wurden aber nichtsdesto weniger bereitwillig genommen, besonders in Süd-deutschland, wo dieselben nicht einmal von den öffentlichenKassen zurückgewiesen wurden. Dort hatte man eben da-mals noch keinen Sinn für ein geordnetes, reines Münzwesen.Man steckte noch tief in dem althergebrachten Münzwirr-war, so dass durch Zulassung auch der österreichischenGulden nicht viel verschlimmert wurde. Im Gegenteil, dieseZulassung war nur eine Konsequenz des bestehenden süd-deutschen Münzzustaudes. Dort waren in Umlauf, in gesetz-lichem sogar: Kronenthaler, 1 süddeutschen, österreichischenund brabanter Gepräges, süddeutsches und österreichischesKonventionsgeld, Münzen des 24 1 /2-Guldenfusses, jetzt auchdie neuen des 52V2-Guldenfusses; Thaler des 14 Thaler-fusses, jetzt auch des 30 Thalerfusses: ferner wurden all-gemein genommen, auch bei den Staatskassen und in Frank-
1 Die Prägung der Kronenthaler war seit 1837 gesperrt. 1845war ihre „allmähliche" Einziehung auf der Hünehener Münzkonfe-renz beschlossen worden. Trotzdem wurde nach ihrer Ausserkurssetzungam 1. April 1874 durch das Reich von ihnen noch ein Betrag im Wertvon 7 973 749 Mark eingelöst.