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I. ABSCHNITT.
furt auch bei Wechselzahlungen französisches Frankengeld,hauptsächlich die Fünffrankenthal er; auch niederländischesGuldengeld lief in nicht unerheblichen Mengen um. Wiehätte man da allein die neuen österreichischen Gulden des45 Gruldenfusses ausschliessen können ? Warum die Öster-reicher, die doch einmal im deutschen Münzvereiii waren,schlechter behandeln als die Holländer und Franzosen !
In Norddeutschland allerdings hatte man mit preussi-schem Geiste stets etwas mehr auf Ordnung in eigenemHause gelialten. 1 Die im Norden für den Geldverkehr mass-gebende Preussische Bank weigerte sich auch jetzt, nachdem Wiener Münzvertrag, österreichische Landesmünzen inZahlung zu nehmen. Den öffentlichen Kassen war zwarnicht deren Annahme, wohl aber deren Ablieferung an vor-gesetzte Kassen verboten, was zur Folge hatte, dass auchjene grösstenteils die Annahme verweigerten. Das wirktenatürlich auch auf das Publikum zurück. Nichtsdestowenigerliefen auch im Norden österreichische Viertelguldenstücke,welche in ihrem Gehalt völlig mit den Sechstelthaler- oderFünfgroschenstücken übereinstimmten, in ziemlicher Mengeum. Der Umlauf von Gulden und Doppelgulden beschränktesich indess fast gänzlich auf den Grenzverkehr zwischenpreussisch und österreichisch Schlesien.
Obwohl dieser besonders in Süddeutschland sehr starkangeschwollene Umlauf von österreichischen Landesmünzengar keine gesetzliche Grundlage hatte, empfand man ihndamals durchaus nicht als etwas Nachteiliges. Im Gegen-teil! Noch bei den Reichstagsverhandlungen über das Gesetzbetreffend die Ausprägung von Reichsgoldmünzen sprach derAbgeordnete Dr. Buhl am 17. November 1871 für die Wahldes österreichischen Guldens als deutscher Münzeinheit anStelle der Mark und begründete seinen Standpunkt mit derSympathie des süddeutschen Volkes für das österreichischeGuldengeld. „Durch die eigentümlichen Verhältnisse Öster-
1 Nur polnische Drittelthaler oder Achtgroschenstücke liefen auchhier in nicht unerheblichen Mengen um ; da Polen nicht mehr bestand,völlig heimatlose Münzen!