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Die Folgen des deutsch-österreichischen Münz-Vereins von 1857 : ein Beitrag zur Geld- und Währungs-Theorie / von Karl Helfferich
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DER DEUTSCHE MÜNZVEREIN 18571867.

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reichs", sagte er,sind solche Ströme österreichischen Silberszu uns gekommen, dass wir in den Jahren mit dem öster-reichischen Gulden so vertraut geworden sind, wie wir esmit dem süddeutschen Gulden waren; wir haben ihn ganzgenau kennen gelernt, während die Teilstücke des Thalersweniger bei uns aufgetreten sind, und wo sie aulgetreten,mitentschiedenem Widerwillen zurückgewiesen worden sind". Man mag daraus ersehen, wie wenig noch am Ausgangdes Jahres 1871 die österreichischen Gulden in Deutschland als staatsgefährlich betrachtet wurden, dass sie sich imGegenteil in weiten Kreisen einer deutlichen Zuneigung er-freuten. Die Gulden, welche nicht einmal gesetzlich zu-gelassen waren! Und noch am Ende des Jahres 1871!Wie viel weniger Bedenken konnte man also in Deutschland gegen die gesetzlich anerkannten österreichischen Thalerhaben! Dazu noch während der Dauer des Vertragsver-hältnisses !

Diese Auffassung von der Unschädlichkeit, vielleichtsogar Erspriesslichkeit des österreichischen Silbers im deut-schen Umlauf, zeigte sich denn auch deutlich in dem Über-einkommen über das Ausscheiden Österreichs aus dem Ver-tragsverhältnis.

IV. DAS AUSSCHEIDEN ÖSTERREICHS AUS DEMDEUTSCHEN MÜNZ VEREIN.

Ich habe bereits erwähnt, dass der Münzbund ein vor-zeitiges Ende fand durch den Krieg von 1866. Im Art. XIIIdes Prager Friedens wurde die Lösung des Wiener Münz-vertrages besonderen Verhandlungen vorbehalten. Am 13. Juni1867 kam in Berlin der Auflösungsvertrag zustande.

Nach demselben treten mit dem Ende des Jahres 1867die durch den Münzvertrag vom 24. Januar 1857 begrün-deten Rechte und Pflichten zwischen dem Kaisertum Öster-reich und dem Fürstentum Lichtenstein einerseits und dendeutschen Zollvereinsstaaten andrerseits ausser Wirksamkeitbis auf folgende Ausnahmen. (Art, I.)