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Die Folgen des deutsch-österreichischen Münz-Vereins von 1857 : ein Beitrag zur Geld- und Währungs-Theorie / von Karl Helfferich
Entstehung
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DER DEUTSCHE MÜNZVEREIN 18571867.

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Wertschwankungen mangels eines absolut wertbeständigenWertmessers nicht mit irgend einer Genauigkeit zu ermittelnsind; ebensowenig wie wir die absoluten Bewegungen derHimmelskörper im Weltraum mangels eines absolut be-wegungslosen Beobachtungsstandpunktes zu erkennen ver-mögen. Wir sehen wohl, wie sich die Sterne im Verhältniszur Erde bewegen, wie die Planeten im Verhältnis zurSonne, aber welchen Weg Erde und Sonne selbst im Welt-raum durchwandern, das wissen wir nicht; ebenso sieht einLand mit Silberwährung sehr wohl, wie sich der Wert alleranderen Güter zum Silber verändert, die Veränderungendes Silberwertes selbst ist aber nicht festzustellen. EineKorrekturpflicht des Staates in dieser Richtung liegt alsonicht vor, und wenn M. v. Schraut in seinerWährungs-frage" meint, durch eine Wertverringerung seines Währungs-metalles und folglich seines frei ausprägbaren Hauptgeldesnehme der Staat eine schwebende Schuld auf sich, so halteich das für eine sehr grosse Unklarheit. 1 Wenn mir heutejemand 100 Mark leiht für die Dauer von 20 Jahren, dannhabe ich ihm nach 20 Jahren nicht den Wert zurück zu

kontinuierlich steigendes oder fallendes Geld hat für die ganze Volks-wirtschaft die grüssten Unzuträglichkeiten im Gefolge. Jeder Staatwird also im eigenen Interesse bestrebt sein, ein möglichst wert-beständiges Geld zu besitzen. Dass der Staat, wenn er sich von derUnzuverlässigkeit der Basis seines Geldwesens überzeugt hat wiejetzt /.. B. Indien das Hecht und die Pflicht habe, sein Geld-wesen auf eine andere Grundlage zu stellen, also zum Einstellen derPrägung oder zum Währnngswechsel, will ich natürlich nicht be-streiten.

1 S 9, a. a. 0.Die Gesellschaft (der Staat) wird auf dieseWeise Schuldnerin ihrer Glieder, sobald eine Wertminderung ihresPrägemetalles eintritt, und Gläubigerin derselben im Falle einer Wert-steigerung, ein Vorgang, welcher bei einer Veräusserung desgesamten Münzvorrates deutlich zum Ausdruck gelangen müsste".Wie sich Schraut diesen Vorgang denkt, und wie er sicheine Ver-äusserung des gesamten Münzvorrates 1 ' vorstellt, ist mir nicht klar ge-worden. Ich glaube, dass Schraut dabei das Spiegelbild vorschwebt,welches eine Silberwährung bei sinkenden Silbeipreisen auf einer aus-wärtigen Goldwährung erzeugt.

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