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II. ABSCHNITT.
betreffend die Ausprägung von Reichsgold-münzen, vom 4. Dezember 1871.
Dieses Gesetz griff in drei Punkten in die bisherigenMünz Verhältnisse ein.
Einmal verordnete es die Ausprägung zweier Sortenvon R e i c Ii s g o 1 d in ii uze n, von K r o n e n und D o p p e 1-k r o n e n (von Zehnmarkstücken und Zwanzigmarkstücken),zu je 1 130,5 und ','69,75 Pfund feinen Goldes. Als neueMünzeinheit hatte man den Drittelsthaler unter dem Namen„Mark" angenommen. Vom Standpunkt der noch vor-handenen Silberwährung aus betrachtet stellt sich also diese
Mark als —-— — 1 »o Pfund Silber dar. Nun handelte
30 x 3
es sicli bei Schaffung der neuen Reichsgoldmünzen darum,welches Quantum Gold an Wert diesem >/»•> Pfund Silber gleichkam. um die Relation. Bei Doppelwährungen ist dieRelation das immer lies teilende Band, welches diebeiden verschiedenmetallischen Münzsorten zu einem einheit-lichen System zusammenhält; bei einem Währungswechselist sie eine n n r a ugenblickl i c h b e nutzte B r ü c k e,welche den Wertgang des Geldes von dem einen Metallzum anderen hinüberleitet; einmal überschritten, kommt siehier nicht mehr in Betracht. 1 — Nun fand es sich, dassseit Beginn des 19. Jahrhunderts auf dem Weltmark 1 PfundGold mit geringen Abweichungen und Schwankungen stets15'/a Pfund Silber gegolten hatte, dass die dauernde Relationin der Doppelwährung des lateinischen Münzbundes 1 : 15'/2war. und schliesslich, dass in den Novembertagen des Jahres1871, an welchen der deutsche Reichstag über das ersteMünzgeselz beriet , auf dem Londoner Markte genau dasVerhältnis von 1 : 15 x /2 herrschte. Ohne Zandern legte auch
1 Die Relation ist natürlich nach Thunlichkeit so zu wählen, dassdie Kaufkraft des neuen Geldes möglichst die gleiche bleibt, wie dieKaufkraft des alten Geldes bis zum Währungswechsel. — Gelegentliehder österreichischen Valutaregulierung wurde die Frage der Relationausserordentlich gründlich erörtert. Eine sehr gute Übersieht allerRelationstheorien und- Vorschlüge, welche bei dieser Gelegenheit auf-tauchten, bei Ostcrsetzer, Währungswechsel und Aufnahme derBarzahlungen. Wien 1892.