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Die Folgen des deutsch-österreichischen Münz-Vereins von 1857 : ein Beitrag zur Geld- und Währungs-Theorie / von Karl Helfferich
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DIE ÖSETBREIOHISCHEM GÜLDEN IM DEUTSCHLAND .

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werde. Selbst der preussische Finanzminister Camp hausenwar nicht ganz frei von diesem Irrtum. Am <>. Mai 1873sagte er im Reichstag:Die Nachrichten darüber, in welchemMasse gegenwärtig der österreichische Gulden in Deutsch-land vordringt, steigern sich von Tage zu Tage. Das Ver-hältnis ist ziemlich erklärlich. In Osterreich ist man ineinem so ausgedehnten Umfang zur Papierwährung über-gegangen, dass für die silbernen Guldenstücke eine Heimatwirklich nicht mehr vorhanden ist." Allerdings fügte erdann bei:nach unsern Nachrichten tritt dazu, dass dieIndustrie dazu übergegangen ist was sie nach den inÖsterreich geltenden Gesetzen kann sich Guldenstückoausprägen zu lassen und sie zu Zahlungen nach Deutschland zu verwenden." 1 Grund und Tragweite dieser letzterenSache scheint aber Camphausen nicht ganz überblickt zuhaben.

Am prägnantesten fand der erwähnte Irrtum, diePapierwährung Österreichs sei schuld an der ÜberflutungDeutschlands mit österreichischen Gulden, in einer Kodedes bekannten württembergischeu Staatsmannes Freiherrnvon Varnbüler seinen Ausdruck, welche Rede mit derzugehörigen Antwort I) e 1 b r ü c k s ausserdem den Vorzughat, einen Blick auf die Unklarheit und Unwissenheit, inwelcher man sich auch bezüglich der österreichischen Vereins-thaler befand, zu gestatten. Varnbüler sagte:

Gegenwärtig dringt das österreichische Silber überdie Grenze Österreichs deshalb, weil es in Österreich nichtausgegeben werden kann, weil man in Österreich in Silbernicht zahlt, weil in Österreich die Papierwährung ist, undweil Osterreich seine Schulden im Ausland mit Metall be-zahlen muss. Das ist der Grund, warum das Metall, derösterreichische Gulden, über die Grenze Österreichs zu unsdringt, und nicht die Spekulation. Es ist doch anzunehmen,dass mit der Zeit die Papierwährung in Österreich aufhörenwird. Sobald aber die Baarzahlung in Österreich aufgenommenwird, so ist anzunehmen, dass Österreich sein Silber behält.

1 St-en. Ber., S. 530.