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III. ABSCHNITT.
und dass dieses dann nicht mehr über die Grenzen Öster-reichs dringt. Wollte es aber geschehen zur Spekulation,und würden wir die österreichischen Gulden vertrieben haben,dann, meine Herrn, stände für Osterreich gar nichts imWege, alsdann statt des Guldens den Thaler zu prägen,der jetzt schon in Osterreich zirkuliert und noch jetzt dortgeprägt wird (!!!)" 1
Delbrück antwortete: „Handelte es sich blos darum,dass österreichische Gulden nach Deutschland gekommenwären, weil Osterreich die Papierzirkulation hat, so lägedie Sache anders. So liegt die Sache aber nicht. Es wirdjetzt spekulationsweise geprägt.
„Anders verhält es sich mit den Thalern. Ich kannnach einer offiziellen Mitteilung anführen, dass Thaler inOsterreich überhaupt nicht mehr geprägt werden, weder fürPrivatrechnung noch für Staatsrechnung. Der Thaler hatmit dem Aufhören der Münzkonvention aufgehört, fernereine österreichische Münze zu sein (sie!), er wirdnicht mehr geprägt." 2
Zum Schlüsse dieser Blütenlese noch zwei Vertreterdes totalsten Unverständnisses für unsere Münzreform. Zu-erst — die Namen will ich unterdrücken —: „. . . wirhoffen, dass Osterreich von seiner Papierwährung zur Silber-währung übergeht. Ich glaube doch unter allen Umständen,dass dieses vollwertige Geldstück (der österr. Gulden) danndahin zurückfliessen wird, woher es gekommen ist, undnicht pari mit unserm 18 Silbergroschenstück stehen wird;denn in der That ist das Zweimarkstück fortan nur 18Silbergroschen realiter wert." 3
Ganz ähnlich ein anderer Herr: „Sind wir erst ein-mal über das erste Einführungsstadium himveg, so kannvon einer Gefahr, dass der österreichische Gulden nebenbei
1 17. Sitzung, 22. April 1873. Sten. Bei-., S. 258/59.
2 Ebendort. Der letzte Satz von Delbrücks Antwort lautet imStenogramm: „es wird nicht mehr geprägt." Offenbar ein Druckfehler.
3 17. Sitzung, 22. Mai 1873. Sten. Ber. S. 252.