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bestehen bleibt, nicht mehr die Rede sein, denn der öster-reichische Gulden ist 7 2 /r> (??) und unser Markstück wird11 '/o Prozent unter dem wirklichen Wert ausgeprägt. Ausser-dem wollen wir die Hoffnung nicht aufgeben, dass Österreich noch einmal im Laufe der Zeit zur Silberwährung zurück-kehren wird." 1
Die geistigen Schlachten, in welchen diese gewaltigenPfeile versandt wurden, schlug man um die Schaffung desZweimarkstückes und um den Art. 13, welcher dem Bundes-rat das Recht gab, den Umlauf fremder Münzen zu unter-sagen. — Bezüglich des Zweimarkstückes glaubten die einen,es werde wegen seiner Ähnlichkeit mit dem österreichischenGulden diesem einen Unterschlupf gewähren, mindestensaber dessen Austreibung erschweren, die andern, ein Zwei-markstück sei eine Notwendigkeit; schaffe man es nichtvon Reichswegen, so werde sich der österreichische Gulden,weil einem Bedürfnis entsprechend, unausrottbar an seinerStelle substituieren. — Der Verbotsparagraph richtete sicheingestandenermassen in erster Linie gegen den öster-reichischen Gulden. Man machte gegen ihn geltend „essei gegen das natürliche Gefühl, gegen alle national-ökonomischen Grundsätze, gegen die Gesetze aller Nationenund gegen die Bedürfnisse des Verkehrs, wenn die Gesetz-gebung in das Vertragsrecht des Einzelnen so weit ein-greife, dem Einzelnen zu sagen, er dürfe fremde Gold- undSilbermünzen einem dritten gegenüber nicht anbieten nochgeben, wenn dieser dritte auch das Anerbieten annimmt." 2Solche Eingriffe waren aber eine Notwendigkeit, um dieneue Goldwährung im Werden zu schützen, und zur Besse-rung der „demoralisierten Münznatur des deutschen Volkes,das gewohnt ist, sich mit allem Janhagel von fremdenMünzsorten zu vertragen." 3 Der Reichstag sah denn auch
1 28. Sitzung, 6. Mai 1873. Sten. Bei'. S. 534.
2 29. Sitzung, 8. Mai 1873. Sten. Ber. S. 547. Dr. Mo hl sprachdiese Worte in Anlehnung an eine an den Reichstag gerichteten ano-nymen Petition, deren Standpunkt er verfocht.
3 Bamberg er im Reichstag; 10. Sitzung, 28. März 1873. Sten,Ber. S. 125.