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Die Folgen des deutsch-österreichischen Münz-Vereins von 1857 : ein Beitrag zur Geld- und Währungs-Theorie / von Karl Helfferich
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III. ABSCHNITT.

diese Notwendigkeit ein, und gab dem Verbotsparagraphenseine Zustimmung. Damit war bei der im Bundesrat herr-schenden Stimmung das Schicksal der österreichischen Silber-gulden in Deutschland besiegelt.

III. DIE AUSTREIBUNG DER ÖSTERREICHISCHENSILBER GULDEN.

Während der Reichstagsyerhandlungen über das Münz-gesetz hatte sich der Umlauf österreichischer Silberguldenin Deutschland immer mehr gesteigert. Selbst in Berlin konnte man sicli ihrer nicht mehr erwehren. ZahlreichePetitionen an den Bundesrat und an das Reichskanzleramtbaten um ein Verbot ihres Umlaufes.

Ein sofortiges Verbot hätte jedenfalls grosse Ver-wirrung angerichtet. Man schätzte damals den deutschenUmlauf an österreichischen Gulden und Thalern auf 130Millionen Thaler, 1 also den Umlauf an Gulden allein aufüber 100 Millionen Thaler. Wo es sich um solche Summenhandelte, war ein allzuscharfes und allzuplötzliches Vor-gehen nicht am Platz. Jedenfalls ist in solchen Erwägungender Beweggrund für die Massregeln des Bundesrates zusuchen.

Am 8. Juli 1873, am Tage vor der Publikation desMünzgesetzes, beschloss der Bundesratan die hohenRegierungen das Ersuchen zu richten, die Annahme derösterreichischen Eingulden- und Zweiguldenstücke, sowieauch der niederländischen Eingulden- und Zweieinhalbgulden-stücke bei den Staats- und sonstigen öffentlichen Kassen,soweit solches nicht bereits geschehen, sofort zu verbieten."'-'

Das war also noch kein Verbot des Umlaufes derösterreichischen Gulden, sondern nur ein Verbot der An-

1 Dr. Mohl im Reichstag; 29. Sitzung, 8. Mai 1875. öten. Bor.

S. 553.

2 III. Denkschrift des deutschen Reichskanzlers über die Aus-führung der Mfinzgesetzgebung.