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Die Folgen des deutsch-österreichischen Münz-Vereins von 1857 : ein Beitrag zur Geld- und Währungs-Theorie / von Karl Helfferich
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IV. ABSCHNITT.

öffentliche Kassen seine Annahme zum Nennwert, z. B. dieKassen der schlesisch-märkischen und der thüringischenEisenhahn.

Am 21. März beschloss der Münchener Handlungs-verein, zur Wahrung der Interessen des Münchener Platzesvom 22. März ab die Yereinsthaler österreichischen Geprägesnicht zu geben und nicht zu nehmen, bis über deren Ausser-kurssetzung oder Einlösung das Nähere vom Bundesratebestimmt sei. Dieser Beschluss brachte das Disagio desösterreichischen Thalers in Süddeutschland auf 6 bis 7Kreuzer, also auf ungefähr 6 Prozent. Da von seifen derReichsregierung keine Massregel zu erwarten schien, inter-pellierte nun Fürst H o h e n 1 o h e - L a n g e n b u r g imReichstage:ob von den verbündeten Regierungen beab-sichtigt wird, die infolge des Münzvertrages vom 24. Januar1857 als gesetzliches Zahlungsmittel geltenden Yereinsthalerösterreichischen Gepräges demnächst ausser Kurs zu setzen/

In Beantwortung dieser Interpellation, am 24. März,stellte der Präsident des Reichskanzleramtes die Eigenschaftder österreichischen Thaler als gesetzlichen Zahlungsmittelsvöllig ausser Zweifel; er konstatierte ferner, dass sich dergrösste Teil dieser Münzsorte nicht mehr in den Händendes Publikums, sondern in den Kassen des Reiches und derEinzelstaaten belinde, da diesen Kassen sofort beim Aus-bruch der Panik empfohlen worden sei, die bei ihnen ein-gehenden Stücke nicht wieder auszugeben, falls der Em-pfänger deren Annahme verweigere. Schliesslich verspracher eine Vorlage, welche die Regelung der Frage in den Wegder Gesetzgebung verweisen werde.'

Diese Antwort beruhigte die Gemüter, obwohl zunächstnur die gesetzliche Zahlungskraft der österreichischen Thalerkonstatiert war; über ihre künftige Entfernung aus demUmlauf, ob Einlösung oder nicht, darüber verlautete nochnichts. Die Zeitungen wussten zu melden, dass gerade

1 Reichstagsverhandlungen vom 24. März 1S74. Sten. Bei - .Seite 530533. Auf das dort vorgebrachte Material stützt sich zumgrossen Teil meine Darstellung der Thalerkrisis.