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Die Folgen des deutsch-österreichischen Münz-Vereins von 1857 : ein Beitrag zur Geld- und Währungs-Theorie / von Karl Helfferich
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DIE ÖSTERR. THALER I. DEUTSC1IL. N. 1). MÜNZREFORM. 81

bezüglich dieser Frage im Bundesrat selbst grosse Meinungs-verschiedenheit herrsche.

Vielleicht hatte die preussische Regierung, welchehauptsächlich einer definitiven Entscheidung über den Modusder künftigen Beseitigung der österreichischen Thaler wider-strebte , ähnliche Gründe, wie sie Soetbeer im deutschenHandelsblatt vom 16. April 1874 entwickelt. Soetbeer legtdort sehr gut die Gleichheit der Stellung von deutschenund österreichischen Thalern dar, wie sie ja auch dieRegierung durch Delbrück anerkannt hatte. Bezüglich ihrerEinziehung ist er der Ansicht, zuerst die deutschen Thaler,erst nach diesen die österreichischen einzuziehen. Vielleichtkehrt Österreich inzwischen zur Metallwährung zurück,nimmt vielleicht sogar die Goldwährung an. Dann ist derZeitpunkt gekommen, an welchem sich Deutschland , unterUmständen ohne Verluste, seiner österreichischen Thalerentledigen kann.

Einen ähnlichen Gedankengang lassen auch die Motivedes nunmehr dem Reichstage vorgelegten Gesetzentwurfeserkennen.

II. DAS GESETZ, BETREFFEND DIE ABÄNDERUNGDES ARTIKELS 15 DES MÜNZGESETZES, VOM 20.

APRIL 1874.

Nur wenige Tage nach der Verhandlung über dieInterpellation des Fürsten Hohenlohe ging dem Reichstagdie von Delbrück in Aussicht gestellte Vorlage betreffenddie österreichischen Thaler zu. Ihre Motive führen aus:

Das Schicksal der österreichischen Thaler sei ein un-sicheres geworden, da der Bundesrat durch ihre Ausserkurs-setzung den Wert dieser Silbermünzen plötzlich auf ihrenSilberwert herabdrücken 1 und damit den zeitigen Inhabern

1 Diese Auffassung scheint mir damals total unzulässig gewesenzu sein. Nach Art. 13 des Münzgesetzes vom 9. Juli 1873 hatte derBundesrat allerdings das Recht,den Umlauf fremder Münzen.

Helfferich, Die Folgen des deutsch.-österr. Münzvereins von 1S:">7. Q