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Die Folgen des deutsch-österreichischen Münz-Vereins von 1857 : ein Beitrag zur Geld- und Währungs-Theorie / von Karl Helfferich
Entstehung
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MF. ÖSTERR. THALER I. DEÜTSCHL. N. P. MÜNZREFORM. 93

sie die Ausserkurssetzung der Einthalerstücke in weiteFernen rückten. Um aber den Übergang zur reinen Gold-währung nach Möglichkeit zu beschleunigen, verlangten siefür den Hundesrat die Befugnis, die Thaler zur Scheide-münze degradieren zu dürfen.

Damit war nun auch der eifrigste Goldwährungs-fanatiker zufrieden. Denn wenn jemand eine Befugnis ver-langt, nimmt man doch an, dass er von ihr Gebrauch machenwill. Die Vorlage wurde unverändert Gesetz und unterm6. Januar 1876 publiziert. Der Bundesrat hat aber vonder ihm zustehenden Befugnis bis heute noch keinen Ge-brauch gemacht, und die Gefahr, zur Scheidemünze degra-diert zu werden, ist für die Thaler auch heute noch inweiter Ferne.

IV. DIE BESEITIGUNG DEB ÖSTERREICHISCHENDOPPELTHALER.

Die in den Motiven des eben besprochenen Gesetzesin Aussicht gestellte Ausserkurssetzung der DoppelthalerHess noch einige Zeit auf sich warten. Auf diese Ausser-kurssetzung konnte man insofern gespannt sein, als manerwarten durfte, die Reichsregierung werde sich nun bezüg-lich der österreichischen Thaler zu irgend einem weiterenSchritte entscheiden müssen. Wenn sie die Doppelthalerausser Kurs setzte, so konnte sie doch kaum die Ausser-kurssetzung bloss auf die deutschen Doppelthaler be-schränken, die österreichischen aber ca. 25.500 Stückwaren von diesen geprägt im Umlaufe belassen. Wollteaber der Bundesrat mit den deutschen Doppelthalern auchdie österreichischen beseitigen, dann stand er unmittelbarvor der brennenden Frage: mit oder ohne Einlösung':'Und eben dieser Frage war man bisher mit aller Sorgfall;aus dem Wege gegangen.

Seit dem Gesetz vom 20. April 1874 war der Bundes-rat überhaupt nicht mehr berechtigt, die österreichischenThaler ausser Kurs zu setzen oder einzulösen. Dazu wäre