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V. ABSCHNITT.
Guldennoten: sie waren Noten aus Silber; wie derStaat die Notenpresse in der Hand hielt, so hielt er jetztauch die Prägemaschine. Aber der alte Mysticismus desPapiergeldes traut eben dem Staate eher die Hexerei zu,aus einem Nichts ein Etwas zu schaffen, als die weitkleinere Fähigkeit, aus einem Etwas ein Etwas-Mehrzu machen.
Kurz und gut: Es ist nicht richtig, dass der Papier-gulden in Osterreich ein Aufgeld gegenüber dem Silber-gulden geniesst. Er geniesst ein „Agio" gegen V 45 PfundSilber, wenn ein Geld überhaupt ein Agio gegen eine Waregemessen kann. Aber 1 /ir> Pfund Silber ist eben noch nichtein Silbergulden, sondern nur eine Ware, die der Staatallerdings, ab e r auch nu r d er Sta at in einen Silber-gulden verwandeln kann: und für diese Verwandlung kanner kraft seines Monopols einen hohen Preis erzielen. — InOsterreich geniesst also nicht der Papier gülden gegenden Silberguld e n , auch nicht der Papier güldenspeziell gegen die Ware Silber ein Agio, sondernder Wei't der gesetzlichen Zahlungsmittel,einerlei ob Papier- oder Silbergulden, hältsich weit über dem Stoff w ort des u rsp r üngliche nWährungsgeldes, der Wert des Gu 1 d e n s schlecht-hin über dem Wert von 7*5 Pfund Silber.
Um nach dieser Abschweifung zu unsern österreichi-schen Thalern zurückzukehren:
Jetzt waren die Verhältnisse gegeben, von 1879 an,nach welchen man, bei allenfallsiger Einlösung des Thalersdurch Österreich zu Vj'i Gulden, mehr bekommen konnte,als seinen Stoffwert, also mehr, als sich bei einer Demo-netisation der österreichischen Thaler und ihrem Verkaufe alsMaterial erzielen liess. Jetzt waren ja die Thaler auch inOsterreich unterwertiges Geld. Der Überschuss ihres öster-reichischen Geldwertes über ihren Materialwert wurde aller-dings nie so gross, dass er den Wertrückgang des Silbers