Druckschrift 
Die Folgen des deutsch-österreichischen Münz-Vereins von 1857 : ein Beitrag zur Geld- und Währungs-Theorie / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
122
Einzelbild herunterladen
 

122

SCHLU8S.

Grade beschäftigt, als unsere deutschen Münzvereinsfragen.In Deutschland hat B a m b e rg e r ein ausgezeichnetes BuchüberDie Schicksale des lateinischen Münz -li n n des" geschrieben, in welchem der Standpunkt desGepräges fast ganz verlassen ist. Die letzten Konsequenzenhat aber selbst Bamberg er nicht gezogen. Eine kurz-umrissene Klarlegung der Frage in Parallele zu der obenausführlich behandelten dürfte daher nicht nutzlos sein.

Im Dezember 1865 ward der lateinische Münzbundgegründet. Er umfasste Frankreich, Italien, Belgien unddie Schweiz. 1868 trat Griechenland bei. Letzteres kommtfür uns nicht in Betracht.

Während der deutsche Münzverein drei verschie-dene Landeswährungen bestehen Hess und überdiesen ein gemeinschaftliches Umlaufsmittel an denVereinsthalern hatte, schuf der lateinische Münzbund einevöllige Münzeinheit, sodass in allen beteiligtenStaaten dieselben Münzstücke nach d e n s c 1 b e n tech-nischen Vorschriften geprägt wurden. Gesetzliche Zahlungs-kraft im strengsten Sinne genossen in jedem Lande aller-dings nur die eigenen Landesmünzen, diejenigen der mit-vertragenden Staaten jedoch Kassenkurs, was einen t h a t-sächlich völlig gemeinschaftlichen Umlauf herbeiführte.Ein charakteristischer und weit gehender Unterschied: wäh-rend der deutsche Münzverein nur Kurantmünzen alsgemeinsames Umlaufsmittel kannte, liessen die Staaten deslateinischen Münzbundes auch die Scheide m ünzen dermitvertragenden Staaten zu. 1 Jeder Staat durfte indes nur

1 Vor dem Vertrag existierten in den betreffenden Ländern keineunterwertig ausgeprägten Silber-Scheidemünzen. Die Silberstüeke warenalle vollwertig ausgeprägt, wie das Fünffrankenstück.

Als nun seit 1S50 etwa auf dem Weltmarkt der Preis des Goldesgegen den Silberpreis fiel und unter die in der lateinischen Doppel-währung angenommene Relation herabsank, war die Folge, dass Goldmassenhaft zu den Münzstätten gebracht wurde, Silber so gut wie garnicht; vielmehr strömte das Silbergeld bedenklich ab. Es entstandMangel an Frankenstücken, l / s - und 2 Frankenstücken, ohne welche sichder Verkehr nicht behelfen konnte. Dieser Zustand war der eigentliche