Druckschrift 
Die Folgen des deutsch-österreichischen Münz-Vereins von 1857 : ein Beitrag zur Geld- und Währungs-Theorie / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
123
Einzelbild herunterladen
 

80HLÜSS.

12:!

6 Frank auf den Kopf seiner Bevölkerung prägen, mussteseine Scheidemünzen auf Verlangen von Privaten oder einesder mitvertragenden Staaten jederzeit in Beträgen von nichtunter hundert Franken in Kurantgeld umwechseln und dieseUmwechselung auch noch eine bestimmte Zeit nach seinemeventuellen Ausscheiden aus dem Münzbunde bethätigen.Das war eine Liquidationsklausel, die schon im ursprüng-lichen Vertrage stand und welche in der Natur der Scheide-münzen bedingt war. An eine Liquidationsklausel für sil-berne Fünffrankenstücke dachte damals niemand, konntedamals überhaupt niemand denken. Eine solche konnteerst unter den Verhältnissen, wie wir sie später kennenlernen, in Frage kommen.

Der tiefgehendste Unterschied zwischen beiden Münz-bünden war jedoch: Der lateinische Münzbund beruhte aufder Doppelwährung, Gold und Silber waren frei aus-prägbar und in dem bekannten Tarifierungsverhältnis ge-setzliches Zahlungsmittel; im deutschen Münzverein dagegenherrschte ein monometallisches System, die reineSilber w ä h r u n g.

So viel über die Verschiedenheit der Basis, aufwelcher beide Vereinigungen beruhten. Wir kommen nunzu ihrer beiderseitigen Entwickeln n g.

Wie der normale Gang der Dinge im deutschen Münz-verein durch die Papierwährung in Österreich , so wurde erim lateinischen Münzbund durch den Zwangskurs und dieAufhebung der Baarzahlungen in Italien von 18661883,und in Frankreich von 18701878 unterbrochen. Dieinneren Verschiebungen der Umlaufsmittel dass z. B.

Anluss zur Gründung des lateinischen Münzbundes. Um sich das kleineSilbergeld zu erhalten, verabredeten sich die genannten Staaten, dieStücke von 2 Frank abwärts statt ''' 00 / 10 oo f eni nur s35 /iooo fein, aber imgleichen Schrot wie bisher auszuprägen. Ihre Zahlungskraft wurdegemeinschaftlich auf 50 Frank beschränkt. Die Fünffrankenstücke bliebenvollwertig. Der lateinische Münzbund war also von den beteiligtenStaaten geschlossen, um sich ihr Silbergeld zu erhalten; dieIronie des Schicksals will es, dass bei seiner Auflösung jeder Staatsich so gut als möglich seines Silbers zu entledigen sucht.