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SCHLUSS.
sich das gewiss, einerlei ob es gerecht oder ungerechtwäre. — Wie liegt es aber mit den österreichischenThalern? — Hier war das Silbergeld, so weit es frühergemeinschaftliches Umlaufsmittel gewesen, n ur in D e u t sch-land u n t e r w e r t i g geworden, in Osterreich da-gegen voll w e r t i g g e b l i e b e n. Eine Liquidation nachdein Gepräge verbot sich hier also von selbst. Dennmehr kann kein Staat tinin, als Münzen, die sein Geprägetragen, mit bei ihm geltendem vollwertigem Goldenach ihrem bei ihm gesetzlichen Nennwert einlösen. Dergesetzliche Wert eines Thalers war aber — wie bekannt —in Osterreich nur 1'/'' Gulden, und Gulden waren nichtmehr wert als der St off wert eines Thalers. Eine Ein-lösung der österreichischen Thaler von Seiten Österreichs hätte also für Deutschland keinen /weck gehabt. — Freilicherfuhren, wie oben gezeigt, diese Umstände eine Änderungdadurch, dass durch die Beschränkung der Silberprägungin Österreich im Jahre 1879 die Thaler auch in Osterreich unterwertiges Geld 1 wurden, wenn auch nicht in demGrade, wie sie es in Deutschland waren. Dadurch gewannfür (kai Fiskus des deutschen Reichs eine Einlösung derösterreichischen Thaler von seiten Österreichs einiges In-teresse, die Lage wurde also derjenigen des lateinischenM imzbundes ähnlicher.
Wie oben nachgewiesen, hätte beim deutschen Münz-verein eine nachträgliche Liquidation mit Verteilung dosVerlustes nach dem Gepräge nicht der Billigkeitentsprochen. Die österreichischen Thaler waren zum weit-
1 Unter „untorwertigem" Geld verstehe ich immer solches,dessen Geldwert höher ist als sein Stoff wert, also z. B. die Thaler,silberne Fünffrankenstücke und österreichische Gulden, ebenso alleScheidemünzen. — Nun nennen die Österreicher ihren Gulden seit 1879öfters „überwertig' 1 , eine Diktion, gegen die sich nichts einwendenlässt, indem sie von der Anschauung ausgeht, dass der Geldwert einesösterr. Guldens höher ist als sein Silberwort. Dieses „überwertig"sagt also — trotz des scheinbaren Gegensatzes — dasselbe wie mein,un t e r w e r t i g." Die Österreicher schauen eben vom Stoffwert zumGeldwert empor, ich vom Geldwert zum Stoffwert hinab.