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Die Folgen des deutsch-österreichischen Münz-Vereins von 1857 : ein Beitrag zur Geld- und Währungs-Theorie / von Karl Helfferich
Entstehung
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SCHLUSS.

Stellen sich bei einem zur Zeit seiner Ausprägungvollwertigen Umlaufsmittel später durch gemeinsame Mass-nahmen der vertragenden Staaten hervorgerufene Verlusteheraus, so muss billigerweise die Gesamtheit, welcheja in Bezug auf ihr Münzwesen eine Einheit darstellt,diese Verluste auf sich übernehmen. Auf die einzelnenGlieder sind diese dann billigerweise so zu verteilen, dassjeder Staat ein seinem Vorteil an dem gemeinschaftlichenUmlaufsmittel entsprechenden Teil des Verlustes trägt, obman nun als Massstab die Bevölkerung oder was sonstannimmt. 1 Darüber wird man sich aber in Güte verstän-digen müssen. Deutschland und Osterreich haben das ge-

münzung von silbernen Fünffrankenstücken nur dadurch von der Aus-münzung von Scheidemünzen, dass die Regierungen die Verpflichtunghatten, ihre Scheidemünzen auf Verlangen in Kurantgeld einzulösen,bezüglich der Fünffrankenstücke jedoch nur die Verpflichtung, sie zuihrem Nennwert an ihren Kassen anzunehmen. Bei einer Liquidationwürden demnach die vom Jahre 1874 ab geprägten Fünffrankenstückeanalog den Scheidemünzen zu behandeln sein.

1 Was die Verteilung des Verlustes auf die einzelnen Staateneines Münzbundes unter sich angeht, so wird hier keine unbedingteNorm aufzustellen sein, wenigstens keine praktische. Den allgemeinenGrundsatz kann man wohl aussprechen: Je nachdem ein Staat an demgemeinsamen Umlaufsmittel Nutzen gehabt hat, soll er auch an deinan diesem entstandenen Verluste mittragen. Wie aber ist dieserNutzen" zu bemessen? Weder Bevölkerungszahl noch Gebietsgrössegibt einen sicheren Anhaltspunkt, schon nicht unter normalen Gold-verhältnissen, noch viel weniger natürlich unter anormalen, z. B. beiZwangskurs für Papiergeld in einzelnen verbündeten Staaten. Wiewenig die Bevölkerung einen Massstab abgibt, sieht man schondaran, dass in verschiedenen Ländern ganz verschiedene Summen Metall-geldes auf den Kopf der Bevölkerung kommen. Auch die allgemeinehöhere wirtschaftliche Entwiekelung involviert nicht allgemein ein ge-steigertes Mass von Umlaufsmitteln; ihre Wirkung nach dieser Richtungscheint durch die vermehrte Anwendung von Kredit- und Abrechnungs-mitteln mehr als paralysiert werden zu können.

Nach 0. Haupt, Gold, Silber und Währung, kamen anfang 1892auf den Kopf der Bevölkerung an Umlaufsmitteln in

Frankreich Holland . . .Nord-Amerika

212 Frank

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