Druckschrift 
Ludwig Bamberger : eine biographische Skizze / von Otto Hartwig
Entstehung
Seite
3
Einzelbild herunterladen
 

3

Dagegen hat er ein sehr lebhaft gezeichnetes Portrait vonseiner Grossmutter, cleralten Bischoffsheimerin, demaltensteinernen Frauerl, entworfen. Eine seltene Energie, grosseVerstandesschärfe, unbeugsame, mehr als patriarchalischeStrenge gegen alle Familienangehörigen und gleichfalls einedeutsche, gegen das leichtlebige Franzosenthum gerichteteGesinnung zeichneten diese merkwürdige Frau aus. Frühzur Wittwe geworden, erzog sie ihre Schaar von Kindern inschwierigen Verhältnissen so, dass ihre beiden Söhne zu hochangesehenen Bankherrn von europäischem Rufe heranwuchsen(Er. S. 224 u. f.). Hat man diese Seiten gelesen, dann iiber-konnnt Einen eine Ahnung von der geheimnissvollen Kraft,durch die der jüdische Volksstamm bis in unsere Tage hineinseine Eigenart und Abgeschlossenheit behauptet, nicht minderaber auch seine grossen Erfolge in der Welt sich errungenhat. Ich möchte fast glauben, dass diese Beherrscherin ihrerFamilie es auch gewesen ist, die ihren begabten Enkel Lud-wig Ostern 1842 zum Studium der Jurisprudenzbestimmte.

Ueber seine Schuljahre hat uns Bamberger in denErinne-rungen nur ganz kurze, ihn persönlich kaum näher berührendeMittheilungen gemacht. Er hat es z. B. im Gegensatz zu manchenmodernen Selbstbiographen verschmäht, uns über das Ergebnis»seiner Abgangsprüfung zu unterrichten, obwohl er sich dessenwahrlich nicht zu schämen gehabt hätte, es vielmehr vorge-zogen, uns nur den Geist, der damals auf der Schule und inder Stadt herrschte, mit wenigen charakteristischen Strichen zuzeichnen. Da er ein schwacher,fadenartig aufgewachsenerJunge war, ist seine Entwicklung als Schüler während der8 l / 2 Jahre, in denen er das Gymnasium besuchte, keine ganzgleichartige gewesen. Seine Zeugnisse schwanken. Doch warseine Ausbildung schon auf höhere Ziele gerichtet. Er hattez. B. neben dem Gymnasialunterricht bei einer FranzösinPrivatunterricht in deren Muttersprache und trieb Italienisch. Als Primaner hat er dann fleissig gearbeitet und Ostern 1842verliess er als der mit dem besten Zeugnisse unter 11 Abi-turienten ausgestattete Schüler die Anstalt.- Hatte er docliim Deutschen, im Lateinischen, im Griechischen, im Franzö-

1 *