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Ludwig Bamberger : eine biographische Skizze / von Otto Hartwig
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Journalisten blieb dann auch nicht aus. Die behäbigen,wohl-denkenden Bürger der Stadt waren mit den überspanntenFreiheitsideen des jungen Mannes, der noch nicht einmal dasaktive oder passive Wahlrecht besass, nicht einverstanden. DerVerleger derMainzer Zeitung" sah es daher gern, dass seinRedakteur ihm, auch um ihn nicht in fortwährende Confficte mitdem Schwiegervater Jaup in Darmstadt zu bringen, freundschaft-lich kündigte. Eine neue Zeitung gemässigter, constitutionellerRichtung war schon gegen ihn ins Leben getreten. Um derdemokratischen Partei das bis dahin unbestrittene Ueber-gewicht zu erhalten, musste sie sich jetzt besser organisiren.Es wurde daher eindemokratischer Verein gegründet, dessenSeele Bamberger wurde, während der Abgeordnete zum Frank-furter Parlamente, Franz Zitz , dessen nominelles Haupt blieb.Doch fand Bamberger in Mainz auch so nicht das ihm zusagendeTerrain für seinen politischen Thätigkeitsdrang. Er siedeltenach dem benachbarten Frankfurt als parlamentarischer Be-richterstatter derMainzer Zeitung über. Fünfzig Jahrespäter hat er noch ausdrücklich bezeugt, dass er durch seineTluitigkeit imdemokratischen Vereine und in der Pauls-kirchesich für das politische Leben eingeübt und für alleFolgezeit den Grund gelegt habe! Durch sein Leben inFrankfurt kam der junge Journalist in Verbindung mit denhervorragendsten Mitgliedern der linken Seite des Parlaments.Die meisten dieser Beziehungen sind für ihn von dauernderBedeutung geworden. Denn gerieth er mit ihnen zum gutenTlieile später auch in starke politische Differenzen, so blieber dochvon Seiten des Gemüthes immer unemptindlich fürsolche Divergenzen, aber oft ohne Gegenseitigkeit. Warihm Jemand einmal nahe gekommen, so hielt er an ihm fest.Denn das stille persönliche Urtheil ist eben in der Weltviel freier als Alles, was mit der Oeftentlichkeit zusammen-hängt. Und wie manchem dieser alten Bekannten hat Bam-berger später unter die Arme gegriffen, wenn sie in Ver-legenheiten waren!

Doch ich kann hierfür, wie auf so vieles Andere, dasfür die Gesinnung des vermeintlichherzlosen Manchester -