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Damals aber blieb ihm bei der früh gewonnenen Einsicht,,dass man auf dem von der führenden gemässigten Parteibeschrittenen Wege nicht zur Aufrichtung des deutschenNationalstaates gelangen, sondern nur in die alte Miserezurückfallen werde, nichts Anderes übrig, als entweder dieHände in den Schooss zu legen, oder sich weiter revolutionärerMittel zur Erreichung des Zieles zu bedienen. Man glaubtesich hierzu um so berechtigter, als ja die deutschen Regie-rungen bisher unter der Führung Oesterreichs in der Wahlihrer Mittel, den absoluten Staat aufrecht zu erhalten, auchnicht wählerisch gewesen waren und feierlich gegebene Ver-sprechen nur durch die Notli gezwungen eingelöst hatten.
Was liamberger, nachdem die ersten Tage des Freiheits-rausches vorüber waren, in seiner Vaterstadt als die frühestenpraktischen Früchte der neuen Zeit sah, hätte ihn über diepolitische Reife seiner Landsleute stutzig machen können.Ueberall regten sich die Gelüste der Interessenten, die Cultur-mittel der Neuzeit, wie Eisenbahnen, Schleppdampfer, ja diefreie Rheinschifffahrt u. s. w., zu beseitigen. So lebhaften Ein-druck das auf den jungen Freiheitsschwärmer machte, so wenigbeirrte es ihn zunächst in seinen Ansichten über die grossenFragen der Zeit. Nachdem er schon zweimal im engerenKreise demokratischer Abgeordneter in Frankfurt improvisirteAnsprachen gehalten hatte, trat der Redakteur der „MainzerZeitung“ am 16. April zum ersten Male in einer grossenVolksversammlung seiner Vaterstadt als Redner auf. Eshandelte sich um den Wahlmodus der zur Frankfurter National-versammlung zu entsendenden Deputirten. Obwohl nichtförmlich zu einer Rede vorbereitet, strömten dem jungenVolkstribunen, der zweimal in die Debatte eingriff, die Ideendoch frei und wohlgefasst zu. Die Versammlung entschiedsich besonders auf seine Ausführungen hin für die republi-kanische Ausgestaltung des zukünftigen deutschen Einheits-staates. Damit hatte er, der mit einem Schlage ein populärerMann in Mainz geworden war, seine politische Stellung für dienächste Zeit festgelegt. Eine Reaktion gegen die immer stärkerhervortretende republikanische Thätigkeit des jugendlichen