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Das Blatt, dem Bamberger seine ganze jugendliche Kraftwidmete, war die „Mainzer Zeitung“, die einem Herrn vonZabern gehörte, welcher mit einem der Grossherzoglichen Minister, dem Staatsrath Jaup, nahe verwandt war. Der jungeJournalist entpuppte sich nun rasch als ein sehr entschiedenernationaler Unitarier. In einem seiner ersten Leitartikel schrieber: „Der einstimmige Ruf nach einem deutschen Parlamentist bloss der Ausfluss der allgemein und ohne Widerspruchanerkannten Wahrheit: dass nichts wiinschenswerther sei, alsDeutschland in einen einzigen Staat verwandelt zu sehen“.Da er damals sich die deutsche Einheit nicht in einem föde-rativen Staate verkörpert vorstellen konnte, und andrerseitsden ganz sicheren politischen Instinkt hatte, dass jetzt einNationalstaat nicht ohne die Beseitigung der einzelnen Dynastienherzustellen sei, wurde er von Anfang an skeptisch und pessi-mistisch in Betreff des Ausganges der Revolution. Und das umso mehr, als er die bisher angesehensten Führer der Bewegungin eine zu vertrauensselige, jeder durchgreifenden Thatkraftentbehrende Stimmung verfallen glaubte. Gewiss hatte aufihn die radikale, socialistisch angehauchte Schule, die vonFrankreich ausgegangen war, einen tiefen Eindruck gemacht.Aber ihm lag doch die Herstellung eines deutschen Einheits-staates mehr am Herzen als die einer Republik, welche fürihn nur Mittel zum Zwecke war. Es entspricht vollkommen derWahrheit, wenn der Schreiber der „Erinnerungen“ 50 Jahre nachdiesen Ereignissen versichert, dass er, wie unzählige Anderedamals, sich nicht darüber zur Klarheit gekommen sei, „ohder zu gründende Einheitsstaat eine unitarische Monarchieoder Republik werden sollte“ (S. 39). Dass er sich darübergetäuscht habe, dass nicht die Fürsten die schlimmsten Feindeeines deutschen Einheitsstaates gewesen seien, sondern diepartikularistischen Neigungen der Majorität des deutschen Volkes, hat er später dann offen eingestanden und sich darumauch mit der nachherigen Ausbildung des deutschen Reichesaussölinen können. Er war durch sein Lehen, durch Studiumund Erfahrung, politisch reifer geworden und hatte die den be-stehenden Staaten innewohnende Macht besser schätzen gelernt.