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Ludwig Bamberger : eine biographische Skizze / von Otto Hartwig
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den Mutli der Thatkräftigeren aufrecht zu erhalten. So feierteman am 24. Februar 1849 in Mainz den Jahrestag des Aus-bruchs der Pariser Revolution durch eiu grossartiges Bankett.

Trotzdem dass sich so in Mainz noch eine zuversichtlicheStimmung in den Kreisen der Stadt- und Landbevölkerungbehauptete, sagte Bamherger schon im März in Leitartikelnvoraus, dass in zwei Monaten die Aera des Bundestages wiederangebrochen sein werde. Denn dass mit der von der National-versammlung vorgenommenen Wahl eines erblichen deutschenKaisers gar nichts erreicht werden werde, war nach allenschon erfahrenen Enttäuschungen nur denen nicht zweifelhaft,welche sich das ganze Jahr über im besten Glauben und nachbesten Kräften abgemiiht hatten, eine Versöhnung der Revo-lution mit den legitimistisehen und partikularistischen Anschau-ungen der deutschen Fürsten zu Stande zu bringen. Dassdas auf friedlichem Wege zu erreichen unmöglich sei, dassdie deutsche Frage nurdurch Blut und Eisen gelöst werdenkönne, sahen die gemässigten Patrioten der Paulskirche nichtein, während der Radikalismus das klar erkannt hatte undin seiner Weise durchzuführen bereit war. Dass die thörichtenVersuche, schon damals die Herstellung der deutschen Einheitdurch Waffengewalt zu erzwingen, kläglich scheiterten, warein Glück für unser Volk. Denn viele furchtbare Erschütte-rungen sind ihm dadurch sicher erspart geblieben. Wennaber jetzt viele auf die Bestrebungen und Tliaten von Männern,die in ihrer Mehrzahl lediglich von 1 selbstlosen, patriotischenEmpfindungen getrieben für ihre politischen Ideale zu denWaffen griffen, nur verächtlich und höhnisch herab blicken,so wird dem gegenüber eine unbefangene Betrachtung derDinge jenen die Anerkennung nicht versagen dürfen, dasssie es waren, die zuerst erkannt hatten, dass mit theoretischenErörterungen und Gesinnungspatriotismus solche Machtfragen,wie die Sprengung des Bundestages und die NeugestaltungDeutschlands es doch waren, nicht zu lösen seien. Dass dieRadikalen für die Reichsverfassung, die sie nicht einmal ge-schaffen hatten, mit Energie und Darangabe ihrer Existenzaufstanden, nur um doch etwas von der Bewegung von 1848