Druckschrift 
Ludwig Bamberger : eine biographische Skizze / von Otto Hartwig
Entstehung
Seite
38
Einzelbild herunterladen
 

38

Währungs- und Nankfragen. Diese hatte er theoretisch wiepraktisch studirt, und im Parlamente wenigstens batte erkeinen Rivalen, der ilnn in ihnen gewachsen gewesen wäre.Wäre man hei ihnen, namentlich in den späteren Jahren,seinem Urtheil gefolgt, so wären dem Reiche manche schwerepecuniiirc Verluste und dem Reichstage viele vergeudeteStunden erspart gebliehen. Ist er es doch auch gewesen,der die traurigen Folgen der so plötzlichen Ueberleitung derfranzösischen Milliarden in den deutschen Yolkskörper, dereine solche Zufuhr nicht werde ohne Erkrankung aufnehmenund solid verarbeiten können, ganz bestimmt vorhergesehenund davor rechtzeitig gewarnt hat!

Ehe wir nun auf die politische Thätigkeit, die Nürnbergerin den nächsten Jahren im Interesse des Reiches entfaltete,und auf die einzelnen parlamentarischen Actionen eingehen,mögen die literarischen Arbeiten, die in den ersten Jahrennach der Rückkehr in die lleimath entstanden, zusammen-gefasst werden. Denn aus ihnen sind die Voraussetzungenseines Wirkens am besten zu erkennen.

Ueber die politische, namentlich die parlamentarischeSituation in den Jahren 186870 gehen die 16)vertrau-lichen Briefe aus dem Zollparlamente, die Bamberger formellan seine Wähler richtete, aber in verschiedenen Zeitungenveröffentlichte, erwünschte Auskunft. Der an Arbeit von jehergewöhnte, lebhafte, durch die neuen Aufgaben stark angeregteMann wollte auch ausserhalb des Parlamentes auf die ge-summte Volksstimnumg einwirken. Und da seine Feder, wiees in der Vorrede zu der Arnold Rüge gewidmeten Samm-lung dieser ungezwungenen Berichte heisst,nun einmal leidernicht aus dem Holze geschnitzt ist, auf Welchem die wohl-beleibten Bände wachsen, so Hess er siefür die ihn be-sitzende Gegenwart laufen. Dadurch verdanken wir ihmlebhafte Bilder aus diesen drei Vorbereitungsjahren der Grün-dung des deutschen Reiches, in denen das Zollparlament sich

') Die ersten 15 stellen in Hand IV der Gesammelten Schriften, dersechszelmtc ist Hand T S. 444 nnchgeholt.