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Ludwig Bamberger : eine biographische Skizze / von Otto Hartwig
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nach dem Todedes geistbegnadigten Mannes" in seinemBismarck posthumus iz. 1». »S. 56) ausgeführt hat, so wirdman ihn wahrlich nicht in die Klasse der Thorsites verweisendürfen. Aller die deutsche Liehe ist heiss und leidenschaft-lich, und die naive Unwissenheit in politischen Dingen heiuns noch sehr gross. Dazu kam das Verlangen in den weitenKreisen des deutschen lhilisteriums, einen Unfehlharen zuhaben, dessen Führung man sich zur eigenen Bequemlichkeitruhig überlassen könne. Fs wurde daher bald jeder, der irgendeine nach den bisher geltenden sittlichen Anschauungen nochso begründete Ausstellung an demgewaltigen Erdensolmezu machen hatte, des Verrathes an der Nation geziehen unddessen Einsprache auf die kleinlichsten Motive zurückgeführt.Sicher, wenigstens was Bamberger betrifft, mit vollem Unrecht.Denn in diesem Funkte hat es vielleicht kaum zwei entgegen-gesetztere Naturen gegeben als Bismarck und Bamberger.Wird man von dem einen sagen dürfen, dass es schwerlicheinen grösseren Hasser als ihn gegeben habe, so wird man demanderen glauben können, dass er bei allem Eifer, aller Zähig-keit und Geschicklichkeit, seine Ueberzeugungen zu verthei-digen und die schwachen Seiten seiner Gegner zu erkennenund anzugreifen, doch von persönlichem Hasse weit entferntwar. Mit vollkommener Wahrhaftigkeit hat er in seinerSelbstbiographie S. 125 hierüber gesagt:So heftig auchnoch in spätere Jahre hinein das Feuer der Polemik in Beileund Schrift auilodern konnte, einen persönlichen Hass, dessenIngrimm bei der Niederlage oder dessen Wonne beim Siegüber den Feind ausbrach, habe ich nie an mir erprobt. Ichhatte mich von lange her auf dem Wege des Nachdenkenszu sehr darauf dressirt, in dem Individuum keine causa suizu erblicken, und diese Gewohnheit schadete mir nicht selten,weil sie mich hinderte, mich wahrhaft zu erbosen . L: Desshalbwar er auch darin sehr behutsam, seinen Gegnern rein persönliche Motive unterzuschieben. Als einmal in meiner Gegen-wart im kleinen Kreise die Frage aufgeworfen wurde, obnicht gewisse Führer der deutschen Silberleute von den Be-sitzern der grossen amerikanischen Silberminen bezahlt würden.