endlich zuging, und im November 1874 zur Verhandlung kam,beschloss die vom Reichstage zur Vorberathung desselbeneingesetzte Commission mich einer „bedeutenden“ Hede Ham-burgers die .Schaffung einer deutschen Reichsbank. Auf dieAnträge dieser Commission hin, als deren Referent Bambergerfungirte, erklärte sieh dann der Reichstag in dritter Lesungfür die Schöpfung einer deutschen Reichshank (30. Januar1875). Der Bundesrath Hess sich überzeugen und am 14. März1875 wurde das hierauf bezügliche Gesetz vom Kaiser voll-zogen. Mit Recht durfte Bamberger damals schreiben: „DerParlamentarismus ist am Ende doch nicht jenes fünfte Radam Wagen, als welches eine wohlfeile Kritik ihn zu ver-spotten liebt“, und nach dem 15jährigen Walten der Reichs-bank konnte er von dem Werke sagen, dass die kühnsteErwartung von ihm keinen besseren Erfolg hätte verlangenkönnen (Des. Sehr. V, 229). Und abermals zehn Jahre späterhat man nach seinem Tode nur Unwesentliches daran zuändern gewusst. Selbstverständlich hätten Bamberger und seinepolitischen Freunde diesen Erfolg nicht erringen können, wenn•sie nicht von dem Bundeskanzleramte unterstützt worden wären,und Bismarck sic nicht hätte gewähren lassen, ln der erstenHälfte der siebenziger Jahre vollauf von dem sog. Cultur-kampfe in Anspruch genommen, mit den Polen und denSocialisten beschäftigt, zeitweise auch von schmerzhaftenkörperlichen Leiden ergriffen, überliess Bismarck dem MinisterDelbrück die Bearbeitung der inneren Reichsangelegenheiten;namentlich die der handelspolitischen und Währungs-Fragen.Es war damals bei der Regierung und der Reichstagsmehr-heit noch der Geist lebendig, der bei der Schaffung desReiches gewaltet hatte. Denn darauf hatte die Grösse dieserZeit beruht, dass sich in ihr die verschiedensten und kräf-tigsten Individuen zur Erreichung Eines Zieles, zur Durch-setzung Eines Zweckes zusammengefunden hatten. Dieseswar nur dadurch möglich geworden, dass man einander gegen-seitig Concessionen gemacht hatte. Man wird es in dermenschlichen Natur begründet linden, dass die Neigung hier-zu nicht dauernd eine gleichmässige blieb, namentlich wenn
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Ludwig Bamberger : eine biographische Skizze / von Otto Hartwig
Seite
51
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