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Bismarck, mit diesem parlamentarischen Erfolge keines-wegs zufrieden, wollte das Eisen schmieden, so lange es■noch warm war. Er hoffte nun seine neugewonnenen An-sichten Uber die Zollgesetzgebung des Reichs mit den mürbegemachten Nationalliberalen oder gegen sie, wenn es nötliigsei, durch das neugewonnene ('entrinn durchzusetzen, (legendiese 'Wendung des Kanzlers, welche in seinem schon er-wähnten .Schreiben an den Bundesrath vom 15. Deeember
1878 einen so schroffen Ausdruck gefunden hatte, lehnte sichjetzt bei .Bamberger-Alles auf. Hatte er schon am 11. Januar
1879 in der „Volkswirtschaftlichen Gesellschaft 1,1 einen \ er-trag gegen die liier ausgesprochenen Grundsätze gehalten, sotrat er in einer meisterhaft populär abgefassten Streitschrift:„Was uns der Schutzzoll bringt“ (Berlin 1879) gegen diedrohenden Kornzölle u. s. w. auf. Obwohl damals auch nochII. von Treitselike gegen den Kornzoll sprach, war gegendie von der Reichsregierung entfesselte und unterstützte pro-tectionistische Strömung nicht mehr aufzukommen. Eineandere gesellte sich bald zu ihr: die Bewegung gegen dieMünzgesetzgebung des Reiches, die noch nicht ganz zumAbschlüsse gekommen war. Hatte die Regierung schon mitdem Verkaufe der deutschen Silbervorriithe gezögert und da-durch schwere Geldverluste herbeigeführt, so wurden jetzt■durch persönliches Eingreifen des Reichskanzlers die Silber-verkäufe ganz eingestellt. Eine Interpellation desshalb anden Reichstag zu richten, widerrietli Bamberger. Er fürchteteden Zorn Bismarck’s damit zu reizen und ihn ganz in dasLager der Silberleute zu treiben. Als nun aber kurz daraufin einem englischen officiellen Berichte gesagt war. mannehme in den Kreisen der Berliner Bankiers an, die Re-gierung steuere auf eine Doppelwährung, ähnlich der in•Frankreich bestehenden, los, so beschlossen die AbgeordnetenDelbrück, Bamberger und Harnier doch, die Regierung zuinterpelliren. Das geschah am 19. Juni 1879. Da ergosssich die ganze Schale des reichskanzlerischen Zornes überdas Haupt Bambergers, der durchaus sachlich uml vorsichtigin seiner Rede vorgegangen war. Da er angedeutet hatte.