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denn auch die Vorlage am 27. April 1880, aber eine nichtsubventionirte deutsche Handelsgesellschaft bildete sich danndoch, in weiten Kreisen hat inan damals wie noch heutigenTages Bamberger diese seine Haltung verübelt. Sie hängtaber mit seiner Stellung zur gesammten Colonialpolitik zu-sammen und ist auch wohl von seiner Gesammtauffassungder neuen Reichspolitik abhängig gewesen. Von persönlicherRancune. war auch hierbei nicht die Rede, wie Bismarck, ohneBeweise heibringen zu können, behauptete. War er dochseihst früher gegen die Erwerbung von Kolonien gewesen.Am 8. Februar 1871 sagte er nach Busch (TagebuchblätterII, 157): „Ich will auch gar keine Kolonie. Die sind blosszu Versorgungsposten gut. ln England sind sie jetzt nichtsandres, in Spanien auch nicht. Und für uns in Deutschland — diese Koloniegeschichte wäre für uns genau so wie derseidene Zobelpelz in polnischen Adelsfamilien, die keineHemden haben.“ Bamberger musste es als ganz widersinnigerscheinen, wenn man gegen die ganze Welt zu Hause Zoll-schranken aufrichtete und nun auf einmal eine Welthandels-politik mit Kolonialbesitz u. s. w. inauguriren wollte, ein Wider-sinn, den aber selbst heut zu Tage nicht Wenige noch nichtbegriffen haben.
Ueber die Samoafrage war, wie schon bei manchenprineipiell noch wichtigeren Vorlagen der Regierung, dienationalliberale Partei getheilter Ansicht gewesen. Es fandensich, selbst nach dem Ausscheiden von 18 süddeutschenFraetionsgenossen, die in Allem Bismarck folgten, noch genugStreitpunkte, die auf eine Zersetzung der bis vor Kurzem nochso mächtigen Partei hindrängten. Unzweifelhaft hatten derUmschwung der gesammten inneren Reichspolitik und dieimmer stärker hervortretenden autokratischen, inconstitutionellenNeigungen des Reichskanzlers hierzu das Meiste beigetragen.Immer deutlicher sonderte sich ein rechter und ein linkerFlügel unter den Nationalliberalen ab. War Herr von Ben-nigsen , der Führer der Einen, auch manchen Steuerplänendes Reichskanzlers, z. B. dessen „letztem Ideale“, dem Tabaks-monopole, mit aller Energie entgegengetreten, und dabei,