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Geschichte der Buchdruckerkunst in ihrer Entstehung und Ausbildung : Ein Denkmal zur vierten Säcular-Feier der Erfindung der Typographie ; Mit einer reichen Sammlung in Holz und Metall geschnittener Facsimiles der seltensten Holztafeldrucke, Nachbildungen von Typen alter berühmter Officinen und Proben von Kunstdrucken nach den neuesten Erfindungen unserer Zeit / von Dr. Karl Falkenstein, Königl. Sächs. Hofrathe und Oberbibliothekar, ...
Entstehung
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Der Kalender mit der Iahrzahl 1457.

Die Thatsache , dasi Papst Nicolaus, an wel-chen der erste Aufruf mit den Worten gerichtetist:Wollm, Stnthalter unsers Herren ^jhesusdu hrilger miter b»I>st Tlicolaus", schon am24. Marz 1455 starb, widerlegt Lichtcnberger's,Bernhards und Ebert'ö Behauptung, daß dieseMalniung erst 1472 gedruckt sei, schon für sichallein, wenn auch nicht die Anrufung au Gottmit den Worten endigte:Als im, zele noch diegel»,rt .'ffenl»ir MCLtLLLV j.,r." Facsimileshaben sowol v. Aretin in seiner Schrift über dieuuivcrsalhistorischeu Folgen der Buchdruckerkuust,München 1808, als I. Wetter auf Tafel IV. seinertypographischen Nachbildungen geliefert.

Der zweite Rang unter den bis jetzt viel zuwenig beachteten datirtcn Druckwerken, welche mitaller Wahrscheinlichkeit aus Pfister's Presse hervor-gegangen sind, gebühret dem von Gotthelf Fischerim Jahre 1A0 zn Mainz entdeckten

Kalender mit der Iahrzahl 1457.Dieses zur Aufklärung mancher Zweifel in der

Erfindungsgeschichtc überaus wichtige Denkmal be-stehet aus einem einzigen Folioblattc, ist mit dersogenannten kleineren Missallype, ahnlich derjenigenderZözciligen Bibel" und derVier Historien",nur auf einer Seite gedruckt, und hat ehedem alsUmschlag einer Prabcndenrechnnng des St. Gan-golfftifres in Mainz gedient. Der Umstand, daß

dieses typogr

Kleinod in Mainz gefunden

worden, hat I. Wetter veranlaßt, es auch für einMainzer Erzcugniß zn halten. Allein der Fundorteineö Werkes kann niemals, ohne durch andereGründe unterstützt zu werden, durch sich allein fürseinen Ursprung entscheiden. DieMahnung gegendie Türken" wurde in Augsburg auS jahrhundert-langer Verborgenheit ans Licht gezogen und dochist es noch keinem Bibliographen eingefallen, die-selbe deshalb für einen AugSburger Druck zu halten.Wetter irret daher ebenso sehr, wenn er Seite 509die Mahnung dem Gutcuberg beilegt, als wenn erden Pfister'schen Kalender von 1457 dem Fust undSchöffer zuschreibt.

Ein Blick auf gegenwärtiges Facsimile,

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welches den Anfang des Kalenders treu wiedergiebt,wird dies bestätigen.

Die Jahreszahl1457" befindet sich sowol ge-schrieben von der Hand des Vicarius Johannes Keß,welcher die Rechnung führte, als gedruckt an derStirne des Blattes. Die Buchstaben sind fast iden-tisch mit jenen derMahnung wider die Türken"zu nennen. Die ersten sechs Monate des Jahressind am Rande nnter einander gedruckt und bei densechs folgenden noch die wechselnden Stellungen derSonne nnd des Mondes, der SonntagSbuchstabe unddie goldene Zahl angegeben. Dieses merkwürdige

Druckvenkmal befindet sich jetzt in der königlichenBibliothek zu Paris .

Unter Pfister's typographischen Leistungen zeich-net sich als das wichtigste vor allen aus:

Die lateinische sechs und dreißig-zeilige Bibel,

zwischen 1456 und 1460 gedruckt.

Dieses aus drei Foliobanden bestehende Werk ohneAngabe des Druckers und deS DrnckorteS, mit881 Blattern und zwei Columncn auf jeder Seite zu