184 Koncr's Edelstein
Sie heißt auch die Schelhorn'sche Bibel, weildieser Gelehrte dieselbe zuerst beschrieben und durchein Facsimile veranschaulicht hat. Ercmplarc be-sitzen ansicr den Büchersammlnngcn der Könige vonFrankreich, England und Würtemberg die Univer-sitätsbibliotheken zn Leipzig und Jena, die herzog-liche zu Wolfenbüttel , Lord Spencer uud CharlesJenkinson in Grvßbritanien. Bamberg selbst hatnur zehn Blatter davon aufzuweisen, welche derverstorbene Bibliothekar Schmötzer von alten Stadt-gerichtsacten abgelöset hat, wo sie alö Umschlagebenutzt waren. Sie enthalten die letzen Capitel desEroduö.
Boner's Edel st ein
oder
F a l> c l l> u ch
in deutschen Reiaie», vom Jahre 1461.
Dieses erste deutsche Buch mit voller Bemer-kung des Ortes und Jahres bestehet aus 88 Blatternohne Titel, Anfangsbuchstaben, Blattzahlcn, Cu-stodcn nnd Signaturen. Jede ganze Blattseite ent-halt 25 Zeilen. Ueber seder Fabel, deren 83 sind,stehet ein Holzschnitt, der auf den Inhalt derselbenBezug hat nebst einer männlichen Fignr, die invöllig gleicher Zeichnung sich jedesmal wiederholt.Die Verse sind nicht abgesetzt, sondern laufen wieProsa fort. Unter dem ersten Holzschnitte lieset man:„Ainsinnls ei» afse Kam gcrant.
Wo er l'il guter misse vant.
Der hcttc er gesscn gerne.
Im was gesagt von dem Kerne.
Der wer gar lustiglich undc gut.
Reswert ums sein thumcr mut.
Do er der pittrrkcit ciitpfant.
Der schalen darnach zu hant.
Pegreiff er der schalen hcrtikcit.
Von den missen ist mir gcscit.
Sprach er das ist mir worden Kunt.
Si haben mir verhonet »leinen munt.
Hyn warsf er sie zu derselben fort.
Der Kerne der nusse im nne wart."
vom Jahre 1461.
Die ebenfalls gedruckte Schlnßschrift lautet:„Au liamlierg dis? vnchlcy geendet istNach der gepurt unsers herre ihesu rristDo man zalt tausent unde vierhundert jarNnd ym ein und sechzigsten das ist war.An sant valenteins tagGot behüt uns vor seiner plag. Amen."Daß dies Fabclbnch im Jahre 1461 erschienen sei, istlange lebhaft bestritten worden. In dem „Neuestenaus der anmuthigen Gelehrsamkeit" wird Seite 563das Jahr 1461 von Gottsched als das Druckjahrdieses Werkes mit dictatorischer Bestimmtheit an-gegeben. Nach lleiüeclcen, 16>-<z Aviivralacollectlvn <I'IZj>tümp<?s, p. 275. laßt sich nichts wei-ter beweisen, als daß es im Jahre 1461 verfertigtwurde. Ebert aber schreibt in dem Artikel „Buch-druckerkunst " der Ersch - uud Grnber'schen Encyklo-pädie dem Albrecht Pfister bereits vor dem Jahre1459 eine vollständig eingerichtete Drnckwerkstätteund Schriftgießerei zu und M. I. A. Steiner, hist.lit. bibliogr. Magazin von I. G. Mensel, St. V,S. 3, fuhrt ebenfalls zu Gunsten des Jahres 1462und der „Vier Historien" einen schwer zu wider-legenden Beweis.
Beifolgendes Facsimile von der Anfangsseitedieses Unicnms, deren genaue Dnrchzeichmmg wirder wahrhast collegialischen Gefälligkeit des HerrnBibliothekars Dr. Schöncmann in Wolfenbüttel verdanken, wird hier nicht unwillkommen sein.
Bis in die Mitte des achtzehnten Jahrhuudertsblieb Bouer'S „Edelstein" völlig unbekannt. Dergroße Kunstkenner und Director der DresdenerGalerie der Kupferstiche und Handzeichnungenvon Heinecken entdeckte dasselbe auf einer Reisedurch Niedersachsen nnd Holland in der herzoglichBraunschwcig'schen Bibliothek zu Wolfenbüttel , vonwo aus dieser Schatz wahrend der Zeit der franzö-sischen Gewaltherrschaft ans Denon's Betrieb nachParis entführt worden und erst nach der Restanra-tion zu seinem rechtmäßigen Besitzer zurückgekehrtist. Von diesem ältesten datirten Drucke in deut-scher Sprache keimt man bis jetzt nur das eineWolfenbüttler Eremplar; doch soll sich, wie
dert, Historie bivlivtli. ^orimb. ?^oi-. 1643. 12.x. 116. angiebt, ehedem ein zweites in Nürnberg