Druckschrift 
Geschichte der Buchdruckerkunst in ihrer Entstehung und Ausbildung : Ein Denkmal zur vierten Säcular-Feier der Erfindung der Typographie ; Mit einer reichen Sammlung in Holz und Metall geschnittener Facsimiles der seltensten Holztafeldrucke, Nachbildungen von Typen alter berühmter Officinen und Proben von Kunstdrucken nach den neuesten Erfindungen unserer Zeit / von Dr. Karl Falkenstein, Königl. Sächs. Hofrathe und Oberbibliothekar, ...
Entstehung
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Die sieben Freuden FNariö.

befunden haben und ist vielleicht das nämliche,welches Franz Xaver Stöger in München gegen-wärtig noch besitzt. ES wnrde lange Zeit auch fürdas älteste deutsche Buch mit Holzschnitten gehalten.Allein in dieser Hinsicht gebührt nach dem gegen-wartigen Standpunkte bibliographischer Forschung,bis vielleicht eine neue Entdeckung auch diese An-nahme wieder unistößt, die Priorität uustreitig den

Sieben Freuden Maria"und der gleichzeitigen und damit verwandten

Leid e ns geschichte Iesn",zweien von einander unabhängige» und ganzlich ver-schiedenen, wenn auch dem Inhalte nach homogenenDruckschriften, welche, alsunica", zu den erstenKleinodien der Münchener Hosbibliothek gehörenund bis auf Dibdiu, der sie jedoch irrthümlich fürein einziges Werk und zwar für eiueu Holztafcldruckhalt, gänzlich unbekannt geblieben waren. SeitDibdiu ist derselben zwar hier und da, jedoch nieaus Autopsie, sondern stets nur uach diesem ctwaSflüchtigen Beobachter ebenso flüchtig als unvoll-standig Erwähnung geschehen, bis Stöger in seinerSchrift:Zwei der ältesten deutschen Druckdeuk-mälcr, München , 1833. 8." sowol eine ausführ-liche Beschreibung als theilwcise Nachbildung ge-liefert hat, ohne jedoch eine bestimmte 'Ansicht überdie Zeit der Entstehung oder der Drucke auSzu-sprechcu. Beide wegen der Gleichheit der Buchsta-ben zuverlässig sür Thpeudrucke zu haltenden Werkekönnen keinem Drucker des fünfzehnten Jahrhun-derts mit größerem Rechte zugeschrieben werden,als Albrecht Pfister in Bamberg , mit dessen Er-zengnissen die Gestalt der Typen die meiste Aehn-lichkcit hat, wenn gleichwol die bildlichen Darstel-lungen von den Holzschnitten dieses Formschncidcrssowol in Charakter als Ausführung gänzlich abwei-chen, ja dieselben bei Weitem übertreffen. Letzteregehört der sogenanntengeschrotenen" Manier an,wo das Bild mittelst des Bunzens in eine Metall-platte eingetrieben wird. Bei Stöger findet man denAnfang eines jeden dieser Werke sowol in einemFacsimile der Schrift als jedes ersten Bildes ge-treu nachgeahmt, bei Didil!», Ijit>Iiox>-^>I>iL»I 1'ourin Trance snä (Zermtm/, III, Wo. aber ist dasBlatt 5". abgebildet, wie Judas den Heiland verräth

und Petrus dem einen Knechte das Ohr abhaut.Die Form und der Charakter der Typen mußhier mehr bestimmen, als die Holzschnitte, indemdiese ja, unbeschadet der Pfistcr'schcn Presse, voneinem andern Künstler herrühren können.

Die sieden Freuden Maria,

ein Werkchen, von dem ebenso wenig, als von demandern ein zweites Eremplar bekannt ist, und das,wie alle alten Druckdenkmäler, keine Aufschrift hat(die gegenwärtige ist nur aus dem Inhalte entnom-men), bestehet aus 9 Blättern von gleicher Größe,deren 5 den Tert, die übrigen 4 aber aus beidenSeiten 8, Spielkarten ähnlich illnminirte Holz-schnitte enthalten, von denen ein jeder die ganzeSeite einnimmt. Die Größe, welche Dibdin irrigmit 5 Zoll Höhe und 4 Zoll Breite angiebt unddas Format mitklein Quart" bezeichnet, beträgt4 Zoll 7 Lin. in der Höhe und 3 Zoll 5 Lin. (PariserMaß) in der Breite nnd entspricht demnach unse-rem Duodez. Der Te,rt beginnt ans der Rückseitedes ersten Blattes mit dem Gebete:Im noinender heiligen vnd s vngctailtcn trnuiltilunl he- ^den sich di siben fremd ^ der hachgelobten Knin-gin ^ nnd Junckfraw marin mit der wir sy an-dechtiglich ^ eren sulien V mnria t'rew ^ dich um»du vist reich in al j tcm wolüst" n. s. w., fülltauf jeder Seite 15 Zeilen, mit Ausnahme desneunten oder letzte» Blattes, welches nur 14 Zeilenhat, uud ist so eingerichtet, daß stets Schrift undBits sich einander gegenüberstehen. Wenn die Zei-len durch die Worte nicht ausgefüllt werden, so sinddie leeren Räume durch Punkte ersetzt. Die Abbil-dungen beurkunden einen im Zeichnen nicht unge-übten Künstler, obwol die Perspektive fehlt. Siehaben grobe Umrisse, äußerst wenig Schatten undsind mehr silhonettenartig gehalten. Dabei aberathmen sie einen einfachen frommen Sinn, der einempfängliches Herz nicht ungerührt läßt. Blumenund Arabesken bilden die Zwischcnräume zwischenden Figuren. Das Ganze ist in der sogenanntengeschrotenen" Manier ausgeführt. Die Reihen-folge der Darstellungen ist: